Eine WM als äußere Form nach dem inneren Ankick

8. Juni 2013, 13:31
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Österreich spielt in Polen zum elften Mal bei einem Homeless World Cup mit. Es geht dabei im August maximal in zweiter Linie um den sportlichen Erfolg

Wien - "Der Fairplay-Pokal 2012 war der bisher größte und schönste Erfolg, den wir beim Homeless World Cup feiern durften." Gilbert Prilasnig, im Prinzip Österreichs längstgedienter Teamchef, weiß natürlich vom Titelgewinn der Gastgeber 2003, beim ersten Homeless World Cup in Graz. Aber der ehemalige Profi, der mit Sturm Graz zweimal Meister war und dreimal die Champions League schmückte, hat in seiner bald zehnjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit verinnerlicht, dass der rein sportliche Erfolg bei der Straßenfußball-Weltmeisterschaft der Obdachlosen, Straßenzeitungsverkäufer, Flüchtlinge und ehemals Alkohol- oder Drogenabhängigen nicht an erster, vielleicht auch nicht an zweiter Stelle steht.

Das von der Caritas und dem Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen 2003 initiierte Projekt, das vom 10. bis 18. August mit dem Turnier in Posen seinen schon elften jährlichen Höhepunkt erlebt, soll den Teilnehmern den nötigen Mut geben, eine Verbesserung ihres Lebens in Angriff zu nehmen. "Es bedarf eines inneren Ankicks, dass die Leute im Herzen berührt werden und sehen, dass sie etwas wert sind, dass sie etwas können", sagte Caritas-Präsident Franz Küberl.

Großer Auftritt

"Der Fußball, ja generell der Sport, bietet Chancen", ergänzte Leo Windtner, der Präsident des österreichischen Fußballbundes (ÖFB), wenige Stunden vor Anpfiff des WM-Qualifikationsspiels gegen Schweden. Unmittelbar vor der Partie bekam die Mannschaft, die Österreich beim Homeless World Cup vertreten wird, ihren Auftritt vor den mehr als 45.000 Zusehern im Happel-Stadion. Nur ein Beitrag des ÖFB und einer von vielen emotionalen Momenten für Prilasnigs Auserwählte.

Mehr als 1000 Personen hat der 40-jährige Ex-Internationale in den jährlich 20 bis 25 Tagen ehrenamtlicher Tätigkeit bisher für die WM- Turniere gesichtet. Rund 80 spielten dann tatsächlich für Österreich. Zuletzt reichte es im Oktober des Vorjahres in Mexiko-Stadt zu Rang sieben unter 43 Mannschaften. Auch deshalb machte der Fairplay-Pokal Prilasnig so stolz. "Der wurde eben nicht nur verschenkt an ein Team, das nichts gewonnen hat."

Neues Jahr, neue Spieler

Der Homeless World Cup ist ein Street-Soccer-Turnier. Drei Feldspieler und ein Torhüter sind jeweils im Einsatz. Die Kader umfassen acht Spieler, von denen jeder nur einmal teilnehmen kann. Prilasnig muss also jedes Jahr eine neue Mannschaft suchen und dann zusammenstellen, "aus einsamen Wölfen Teammitglieder machen, die Stress bewältigen können", wie er sagt.

Es gab Sichtungsturniere in Wien und Graz, die von sozialen Einrichtungen beschickt wurden. Zudem war Prilasnig in diesem Jahr bei einem Turnier des Afghanischen Kulturvereins. Afghanische Flüchtlinge unterliegen als Subsidiär Schutzberechtigte nicht im gleichen Maß Reisebeschränkungen wie Asylwerber.

Prilasnigs Mannschaft bereitet sich bei mehreren Kurztrainingslagern und Turnieren vor. Die Kosten von rund 50.000 Euro werden von Sponsoren getragen, die größten sind der seit Jahren engagierte Fenster- und Türenhersteller Gaulhofer und Coca-Cola. Schlussendlich soll in Polen nach 13 Spielen für Österreich wieder ein Platz unter den besten Zehn herausschauen. Rund 60 Nationen werden diesmal teilnehmen, etliche auch mit Teams für das Damenturnier. Das bereichert Österreich noch nicht. (Sigi Lützow. DER STANDARD, 08./09.Juni 2013)

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    Graz, Juli 2003: Österreichs Mannschaft feiert nach einem 2:1 im Finale gegen England den Titelgewinn beim ersten Homeless World Cup. Das Erlebnis wiegt schwerer als die Trophäe.

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