Grillos Bewegung unter Druck: Zwei Abgeordnete verließen Gruppierung

8. Juni 2013, 08:52
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Starkomiker schimpft über das Parlament: "Stinkendes Grab"

Rom - Interne Spannungen setzen die italienische "Fünf Sterne"-Bewegung um den Starkomiker Beppe Grillo unter Druck. Zwei Abgeordnete der Protestbewegung, Vincenza Iabriola und Alessandro Furnari, haben die Gruppierung verlassen, um sich der gemischten Fraktion im Parlament anzuschließen. Für die drittstärkste Kraft im italienischen Parlament ist dieser Schritt ein schwerer Schlag für das Image. Die Parlamentarier zogen die Konsequenzen aus Meinungsverschiedenheiten mit Grillo, die sich nach der Schlappe bei den Teilkommunalwahlen vor zwei Wochen verschärft hatten.

Die Abgeordneten attackierten das "undemokratische Verhalten" Grillos, der keinerlei interne Kritik zulasse. "Die 'Fünf Sterne'-Bewegung war für uns ein wunderbarer Traum. Die Institution, in die sie sich gewandelt hat, hat jedoch angesichts ihres Mangels an interner Organisation keinerlei Überlebenschancen", begründete Furnari seinen Beschluss, aus der Bewegung auszusteigen. Der Schritt der beiden Parlamentarier löste hitzige Reaktionen aus. Anhänger der Bewegung protestierten auf dem Grillo-Blog heftig gegen den "Verrat" der beiden Abgeordneten.

Grillo kritisierte das Parlament scharf. "Eines steht fest: Das Parlament, Herzstück unserer Demokratie, hat seine Rolle als Sprachrohr der Bürger verloren. Die Parlamentarier sind nur Angestellte mit einem tollen Gehalt, die bei Abstimmungen einige Knöpfe drücken müssen. Das Parlament ist eine leere Schachtel, ein stinkendes Grab", erklärte der Starkomiker. Seine Worte lösten empörte politische Reaktionen aus.

Die Spannungen in der Protestbewegung sind gewachsen, nachdem sie bei den Teilkommunalwahlen vor zwei Wochen, zu denen sieben Millionen Italiener aufgerufen waren, deutlich unter den Erwartungen abgeschnitten hatte. In keiner der 16 größeren am Wahlgang beteiligten Städte schafften Grillos Kandidaten den Einzug in die Stichwahlen. Bei der Bürgermeisterwahl in Rom schrumpfte der Stimmenanteil der Protestbewegung im Vergleich zu den Parlamentswahlen vom Februar sogar auf die Hälfte zusammen: Der "Fünf-Sterne"-Kandidat Marcello De Vito erzielte lediglich zwölf Prozent.

Grillo verteidigte sich gegenüber Vorwürfen, mit seiner unnachgiebigen Haltung gegenüber den Traditionsparteien und seinen systematischen Angriffen auf die Medien an Zustimmung verloren zu haben. "Wer die etablierten Parteien wählt, verurteilt Italien zum Niedergang", pflegt er zu sagen. Die Niederlage bei den Teilkommunalwahlen löste unter den "Grillini", wie sich die Anhänger Grillos nennen, heftige Internet-Debatten über den Kurs der Bewegung aus, die jegliche Zusammenarbeit mit den Parteien verweigert und im Parlament bisher auch in der Opposition kaum eine Rolle spielt.

Die "Grillini" hatten nach der Parlamentswahl Ende Februar Koalitionsgespräche mit der Mitte-Links-Kraft "Demokratische Partei" (PD) kategorisch abgelehnt. Damit ebneten sie den Weg für das Bündnis zwischen PD und Ex-Premier Silvio Berlusconi, die nun gemeinsam an der Regierung sind und den sozialdemokratischen Premier Enrico Letta unterstützen. (APA, 8.6.2013)

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