Österreich montiert Schweden 2:1 ab

7. Juni 2013, 23:04
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Österreich schlägt Schweden nach einer starken Leistung mit 2:1. Die Tore im ausverkauften Happel-Stadion erzielen David Alaba und Marc Janko schon vor der Pause

Wien - Sie drehten eine Ehrenrunde und eine zweite, applaudierten sich selbst, inhalierten die Zuneigung des Publikums. Österreichs Fußballteam hatte gerade das schwedische mit 2:1 geschlagen und die eigenen und öffentlichen Erwartungen erfüllt bis übertroffen. Die Tür zur WM nach Brasilien ist nicht mehr versperrt, im Gegenteil. Sie wurde einen Spalt aufgemacht. Platz zwei zum Abschluss der Gruppe C und das Playoff sind relativ nahe.

Der Reihe nach: Teamchef Marcel Koller nominierte vier Männer ohne Spielpraxis. Tormann Robert Almer, Innenverteidiger Emanuel Pogatetz, den in Bremen suspendierten Marko Arnautovic und Mittelstürmer Marco Janko, der im türkischen Trabzonspor sein Unglück gefunden hat. In der Vorbereitung ist der Stürmer allerdings sehr spritzig gewesen, zudem ist seine Kopfballstärke unbestritten. Arnautovic ist für Koller eine Art Resozialisierungsfall, der Schweizer ist von den Qualitäten des Lausers felsenfest überzeugt. Abgesehen davon ist er beim Team verhaltensunauffällig, ist nur ein Teilchen des großen Ganzen.

Wäre das Happel-Stadion ein mit Wasser gefülltes Reindl, es hätte gekocht. 48.000 erwartungsfrohe Menschen, davon 2000 aus Schweden, sorgten für prächtige Stimmung. Die Choreografie war zwar simpel (tausende rotweißrote Fahnen und Zettel), aber ansehnlich. Die österreichischen Kicker wollten mit Lust, Laune und Leidenschaft begeistern. Geplant war, die Schweden sofort unter Druck zu setzen, sie durch aggressives Pressen zu überraschen. Man wollte sie "zlatanieren". Dieses Wort hat in Schwedens Zlatan Ibrahimovic seinen Ursprung, es bedeutet "stark dominieren". Auch der Duden kennt es.

Überfall mit Verspätung

Der Plan mag gut gewesen sein, die Ausführung war es nicht. Denn die Schweden ließen den Überfall, der im Fußball kein Verbrechen ist, überhaupt nicht zu. Sie wirkten kompakt bis eiskalt, waren ballsicher, kamen gefährlich vor das Tor. Almer verhaute einen Abschlag, Johan Elmander verhaute die Chance (4.). Dem österreichischen Spiel fehlte die Präzision, Ibrahimovic fand Zeit, sich die Haare zu richten.

Und dann passierte das Unerwartete. 25. Minute: Abschlag von Almer, ein Schwede verlängert den Ball zu Martin Harnik. Der ist schnell, rast aufs Tor zu, Goalie Andreas Isaksson foult ihn, Elfer. 26. Minute: David Alaba, der Triplegewinner der Bayern, verwandelt trocken zum 1:0. Dem 20-Jährigen gelingt halt alles, es war sein viertes Tor im 25. Länderspiel. Und es war der Weckruf für die gesamte Mannschaft, der Überfall kam mit Verspätung.

Flüssige Kombinationen, Tempo, Druck, "zlatanieren", Sebastian Prödl ersetzte den verletzten Pogatetz. 32. Minute: Maßflanke von Harnik, der spritzige Janko hechtet den Ball zum 2:0 ins Netz. Er ist tatsächlich kopfallstark, bei Trabzonspor müssen sie verrückt sein. Koller wiederum weiß, was er tut. Es war Jankos 15. Treffer bei 34 Einsätzen. Die Schweden gingen angeschlagen in die Pause.

Mit der Brust in den Urlaub

Janko musste angeschlagen aufhören, Andreas Weimann ersetzte ihn. Das Spiel blieb intensiv, das Laufpensum von Zlatko Junuzovic grenzte an Wahnsinn. Die Österreicher konterten gefährlich, waren dem 3:0 mindestens so nahe wie die Schweden dem Anschlusstreffer. Der gelang trotzdem: Glanzlicht (Pass) von Ibrahimovic, Elmander verkürzt auf 1:2 (82.). Ein bisserl zittern, Alaba wird gecheckt, Abpfiff, Jubel.

"Durch das 1:0 haben wir eine Brust bekommen", sagte Alaba, der sich beim Elfer "ganz sicher" war. Sein Dank galt den "großartigen Fans". Coach Koller: "Das schöne Gefühl kommt in zwei, drei Tagen. Es war sehr aufregend. Zu Beginn hat die Ruhe gefehlt, mit dem 1:0 kam die Sicherheit."

Jetzt ist Urlaub. Die WM-Qualifikation wird am 6. September in München gegen Deutschland fortgesetzt. Vier Tage später kommt Irland nach Wien. Die Endrunde in Brasilien ist ein Stückchen näher gerückt, aus einem Jäger ist zumindest ein Gejagter geworden. Schweden hat an einem Tag übrigens gleich zweimal in und gegen Österreich verloren. Ein paar Stunden davor unterlag die U19 in der EM-Quali in Traiskirchen mit 0:3. Der Rapidler Marcel Sabitzer netzte dreimal. Zum Trost heiratet am Samstag in Stockholm Prinzessin Madeleine. (Christian Hackl, DER STANDARD, 08./09.06.2013)

  • Stimmen: 

Marcel Koller (ÖFB-Teamchef): "Es ist fantastisch, die Spieler haben alles gegeben. Wir haben gesehen, dass es ein bisschen schwierig war, weil der eine oder andere schon länger kein Spiel bestritten hatte. Es war ein Risiko, aber es hat sich gelohnt. Wir hatten am Anfang 20 Minuten Probleme, waren ein bisschen nervös. Die Ruhe hat uns gefehlt, das ist auch eine Erfahrungssache. Genau dafür sind diese Spiele sehr wichtig. Es war klar, dass wir gegen Schweden nicht 90 Minuten das Spiel bestimmen können. Sie haben am Schluss Druck gemacht und es ist noch einmal eng geworden. Wir schauen jetzt weiter von Spiel zu Spiel."

David Alaba (ÖFB-Torschütze): "Das war heute eine super Leistung der Mannschaft. Wir haben versucht, ins Spiel zu kommen. Wir haben uns ein bisschen schwergetan. Durch das 1:0 haben wir aber einen Push bekommen. Da sind wir immer besser ins Spiel gekommen, wir hatten einen viel besseren Spielfluss. Wir müssen aber weiter arbeiten und nach vorne schauen. Wir haben uns zwei Wochen sehr gut vorbereitet. Es war ein überragendes Publikum."

Marko Arnautovic (ÖFB-Offensivspieler): "Ich bin überglücklich. Wir haben uns das die ganze Woche vorgenommen, dass wir die drei Punkte holen gegen Schweden. Es zeichnet uns in letzter Zeit aus, dass wir eine Mannschaft sind. Deswegen 'Chapeau' an die ganze Mannschaft. Wir haben drei Punkte eingefahren, das ist das Wichtigste im Fußball. Ich war froh, wieder auf dem Platz zu stehen und mich zeigen zu können. Meine Aufgabe war es, mir den Arsch aufzureißen für die Mannschaft."

Erik Hamren (Schweden-Teamchef): "Wir sind natürlich enttäuscht. Wir haben sehr gut begonnen, gute Chancen kreiert und viel Druck ausgeübt. Doch dann haben wir einen Fehler gemacht und es stand 0:1, wenig später fiel gleich das 0:2. Ich war wirklich böse in der Halbzeit, weil wir die letzte Viertelstunde vor der Pause so schlecht gespielt haben. Wir haben zwar zwei Fehler gemacht, die zu Toren geführt haben, aber die Einstellung der Spieler darf trotzdem nicht so sein. Sie haben sich richtiggehend hängen gelassen, das war wirklich enttäuschend. In der zweiten Hälfte haben wir dann gut gespielt und hätten beinahe noch den Punkt geholt. Meiner Meinung nach hätten wir am Ende einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen."

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    Abgang für Ibrahimovic.

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    David Alaba und seine Jünger?

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