Mühlviertler Bürgermeister überlegt Klage wegen Hochwassers

7. Juni 2013, 20:05
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Vorwurf aus Walding: Orte mitten in der Nacht volllaufen gelassen, um Linz zu schützen

Linz - Josef Eidenberer will, dass jemand für die schweren Überschwemmungen in seiner Mühlviertler Gemeinde zur Verantwortung gezogen wird. Der Bürgermeister von Walding (Bezirk Urfahr-Umgebung) überlegt eine Klage gegen Unbekannt. Er beschuldigt die Kraftwerksbetreiber, dass man bestimmte Orte volllaufen ließ, um Linz und das Machland - weiter unten an der Donau - zu schützen.

Die Wahrheit wäre zumutbar gewesen, und man hätte schon Montagabend geordnet mit Evakuierungen beginnen können, kritisierte Eidenberger am Freitag im Gespräch mit dem ORF-Radio Oberösterreich. Montagabend habe es geheißen, dass der Scheitelpunkt in Walding wohl überschritten sei und das Wasser ab nun zurückgehe, so Eidenberger. Auch in den darauffolgenden Stunden habe man die selben Auskünfte bekommen.

Sprunghafter Donauanstieg in der Nacht

Doch mitten in der Nacht sei der Donaupegel innerhalb von zwei Stunden sprunghaft angestiegen. "Wenn fünf Kilometer (die Breite der Donau zu diesem Zeitpunkt, Anm.) um 70 Zentimeter steigen, dann hab ich Probleme, mir das mit hydraulischen Gesetzen erklären zu können."

Wäre die Information früher gekommen, hätte bereits am Abend geordnet mit Evakuierungen begonnen werden können, erklärte der Bürgermeister. Stattdessen hätten am Tag darauf rund 200 Menschen per Hubschrauber oder Boot gerettet werden müssen.

Ähnliches Gefühl auch in Ottensheim

Eidenberger kann sich vorstellen jene zu klagen, "die da im Hintergrund fahrlässig gehandelt haben". Es genüge nicht zu sagen, dass man ohnehin "eine klasse Entschädigung" erhalten werde. Auch Uli Böker, Bürgermeisterin der Gemeinde Ottensheim im selben Bezirk, "kann sich des Gefühls nicht erwehren", dass so gehandelt worden sei. Sie würde es aber niemals behaupten, da sie sich dafür zu wenig als Expertin sehe, erklärte die Politikerin.

Sie pocht auf eine genaue Untersuchung. OÖ Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne), der gemeinsam mit Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) einen Damm für das betroffene Gebiet ankündigte, will den Vorwürfen nachgehen und eine Analyse bei einer ausländischen Institution in Auftrag geben. (APA/red, derStandard.at, 7.6.2013)

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