Taufrisch aus dem alten Jahrhundert

7. Juni 2013, 23:02
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Blumen und Beifall: Roberto Alagna feiert seinen 50er - und ist damit fünf Jahre jünger als die "Tosca"-Inszenierung

Wien – Die Wiener Sängerknaben und die Lipizzaner sind nun doch schon etwas in die Jahrhunderte gekommen; die österreichische Kultur verlangt nach neuen Wahrzeichen. Wie wäre es mit dem kabarettistischen Werk von Josef Hader, dem Film Nordrand von Barbara Albert und der Tosca-Inszenierung von Margarethe Wallmann und Nicola Benois an der Staatsoper?

Letzterer sieht man die fünfeinhalb Jahrzehnte ih­rer Existenz kaum an, wie auch Roberto Alagna seine fünf Jahre weniger nicht. Am Vorabend seines 50. Geburtstags gab der Franzose – an der Staatsoper mittlerweile der Startenor für alle Fälle – seinen ersten Cavaradossi im Haus am Ring.

Das Orchester spendierte nach seiner Hinrichtung als heldenhafter Maler prompt ein Ständchen aus dem Un­tergrund und Direktor Meyer eilte von der Seite mit Blumen herbei. Als Cavaradossi hatte der Sympathieträger gesanglich noch etwas die Diva gegeben, hatte lyrische Phrasen mitunter in epische Längen ausgeweitet; das "E lucevan le stelle" wollte er überhaupt gar nicht mehr beenden.

Eine richtige Operndiva hatte Martina Serafin darzustellen – das tat sie auch. Nervös, herrisch und stolz war ihre Tosca: Als sie die Wienerin Scarpia mit dem dreifachen"Muori" ("Stirb") anherrschte, war das ein Befehl. Intensiv ihr leicht spröder Sopran, zu kraftvoll leider das "Vissi d'arte". Eher ein Grandseigneur als ein Schreckensherrscher Albert Dohmen als Scarpia, sein Bariton spiegelte die Seelenschwärze des Grausamen nur begrenzt wider.

Ein präziser, ein energischer Dan Ettinger im Orchestergraben: saftig, süffig seine Tosca. Das Staatsopernorchester mit Lust bei der Sache, herausragend Celloquartett und Klarinettensolo im dritten Akt. Und fehlte da nicht mal kurz eine Oboe? Egal. Tosca forever.   (Stefan Ender, DER STANDARD, 8./9.6.2013)

9., 12. 6.

  • Ein Startenor für alle Fälle: Roberto Alagna singt den Cavaradossi in Puccinis "Tosca" an der Staatsoper.
    foto: michael poehn

    Ein Startenor für alle Fälle: Roberto Alagna singt den Cavaradossi in Puccinis "Tosca" an der Staatsoper.

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