Motorolas Vision: Elektronik-Tattoos statt Passwörter

7. Juni 2013, 15:56
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Forscher haben keine Angst vor "gruseligen" Technologien

Passwörter, seit Jahrzehnten Sicherheitsmechanismus Nummer 1, sind in Verruf geraten. Zu unsicher wählen viele Nutzer ihre geheimen Kennwörter und selbst die sicheren sind zu leicht crackbar oder auf anderem Wege auszuforschen. Ebenso bieten sie keinen Schutz, wenn die entsprechende Datenbank, in welcher sie vom jeweiligen Dienstleister gespeichert werden, nicht ordentlich abgesichert ist.

Daher setzen immer mehr Dienste auf die sogenannte "Two Step Authentication", bei welcher das Passwort nur einer von zwei Verifikationsschritten ist. Ergänzen lässt sich das beispielsweise mit der Eingabe eines Codes, der per SMS an die eigene Handynummer geschickt wird – so wie es beispielsweise beim Onlinebanking mit SMS-TANs praktiziert wird.

Motorola setzt auf neue Elektronik

Doch auch dies ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Elastische und extrem kleine Elektronik bietet eine Perspektive für sichere und einfache Authentifizierung. Ein Weg, den Motorola einzuschlagen gedenkt. Der Telegraph berichtet.

Der im Besitz von Google befindliche Elektronikhersteller hofft auf das Potenzial von Biostamps, wie sie etwa das Unternehmen MC10 herstellt. Biegsame Elektronik, die sich ähnlich wie ein Rubbel-Tattoo oder als Sticker auf der eigenen Haut anbringen lassen. Sie wurden ursprünglich für medizinische Zwecke entwickelt.

Eine weitere Variante, über die man nachdenkt, ist die "Digitale Gesundheitspille" von Proteus. Diese ist bereits in Europa und den USA zugelassen. Sie verfügt über einen kleinen Chip, der ein nachverfolgbares Signal erzeugt, das man zur Authentifizierung einsetzen kann. Der Akku nutzt Magensäure als Energiequelle.

Keine Angst vor "gruseligen" Technologien

Bis ein solches System tatsächlich einmal implementiert wird, dürfte noch einiges an Zeit vergehen. Der Proof-of-Concept ist in Testläufen bei Motorola aber bereits gelungen. Im Schnitt soll es 2,3 Sekunden dauern, bis das Telefon das Signal der Pille aufnimmt und sich für den Nutzer entsperrt.

Vorangetrieben werden solche Projekte unter dem neuen CEO Dennis Woodside, der nach der Übernahme von Google zu Motorola wechselte. Unmittelbar verantwortlich für das Projekt ist Forschungs-Vizechefin Regina Dugan, die einst beim DARPA-Projekt des Pentagons tätig war. Sie betont, dass man sich von solchen Forschungen nicht abhalten lassen würde, nur weil manche sie "gruselig" fänden.

Sie betont, dass Authentifizierung "irritierend" ist und lediglich die Hälfte aller User ihr Telefon überhaupt sichert, obwohl sich darauf persönliche Informationen befinden, was ein Risiko für Identitätsdiebstahl darstellt.

Warten auf das Moto X

Die eigene Innovationskraft wird Motorola – nach Jahren der Stagnation – kommenden Oktober beweisen müssen, wenn das "Moto X" auf den Markt kommen dürfte. Man verspricht ein Telefon, dass "kontextuell aufmerksam" sein soll und beispielsweise in der Lage sein soll zu erkennen, wenn es sich in einem fahrenden Auto befindet.

Das Moto X soll offenbar auch dazu beitragen, den Preis von Smartphones allgemein zu senken. Hardwaretechnisch soll es laut Woodside mit aktuellen Topgeräten wie dem Samsung Galaxy S4 mithalten und mit einer niedrigen Gewinnmarge verkauft werden. (red, derStandard.at, 07.06.2013)

  • Elastische Elektronik könnte künftig Passwörter obsolet machen.
    foto: mc10

    Elastische Elektronik könnte künftig Passwörter obsolet machen.

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