Abschied vom Heldentum

10. Juni 2013, 10:19
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Die nächste Managementgeneration in tertiären Bildungsorganisationen muss sich auf viel Veränderung vorbereiten

Längst sind die Helden des Managements abgelöst. Die postmoderne Gesellschaft ersetzt sie durch neue Stars: Filmhelden, Musiker, Fußballer oder Moderatoren, Berater und Trainer. Bildungsmanagement braucht aber keine Stars, sondern Manager mit einem neuen Verständnis von Leadership!

Die nächste Generation des Managements in tertiären Bildungsorganisationen wird sich auf viel Bewegung und viel Veränderung vorbereiten müssen: ein europaweites neues System von Studienabschlüssen, eine neue Pädagogenbildung, einheitliche Qualitätsstandards, Schul- und Organisationsentwicklungsprojekte, kompetenzorientierter Unterricht und vieles mehr. Hierarchische lineare Anweisungen werden da keinen Sinn mehr ergeben.

Bildungsorganisationen stehen vor einer fundamentalen Revision des klassischen steuernden Eingriffs zu einer selbstorganisierenden Ordnung. In der Unterschiedlichkeit der anstehenden Aufgaben können Bildungsmanager von einem absichtslosen Anfang der Unübersichtlichkeit ausgehen. Umstände, die nach neuen Kompetenzen für das Management von Bildungsorganisationen suchen lassen: 

  • Die Transformation zur Leichtigkeit: Bildungsmanager dürfen nicht in eine "pragmatisierte" Rolle schlüpfen. Es muss die Möglichkeit zur "horizontalen Jobrotation" geben. Hochschulen und Schulen brauchen dafür ein neues Organisationsdesign, das den Wechsel zwischen Funktionen, Projekten und Aufgabenstellungen zulässt. Das Phänomen der Betriebsblindheit etwa ließe sich leicht durch Abwechslung verringern.
  • Das tägliche Handeln: Otto Scharmer spricht von einem erhöhten Potenzial an Aufmerksamkeit im Handeln. Über den "open mind" und einen hohen Grad an Beobachtungs- und Selbstre­flexionsfähigkeit würde es möglich werden, zu einem "open will" vorzudringen. Damit öffnen wir den Blick aus der Einzelperspektive hin zu einer mehrdimensionalen Perspektive. Eine Über­lebensfrage für jede Bildungsorganisation. 
  • Die Fähigkeit der Empathie: Nicht nur Zahlen werden im Bildungsmanagement als Erfolgsindikatoren dienen. Bildungsmanager brauchen die Neuformatierung in Richtung Interaktionsfähigkeit, Beobachtungsschärfe und Empathie; eine hohe emotionale Kompetenz.
  • Das Ende der schnellen Lösung: Transformationsmanagement in Bildungsorganisationen verlangt Geschick und professionelles "Change-Know-how". Vorbei ist die Zeit der Schul­verwaltung! Was sind die gemeinsamen Vorstellungen über das Verständnis der Professionalität von Pädagogen? Was ist die Identität der Organisation Schule? Welche Strategie wählen wir für eine möglichst wirkungsorientierte Arbeit im Unterricht? Was sind Schlüsselkompetenzen in der Pädagogik, die eine postmoderne Gesellschaft in ihrer funktionalen Differenzierung braucht? (Josef Oberneder, DER STANDARD, 8./9.6.2013)
  • Josef Oberneder ist seit Oktober 2012 Vizerektor für Hochschulmanagement und Schulentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. 
Seine Arbeitsschwerpunkte sind organiationswissenschaftliche Fragestellungen in Schulen und Organisationen.
    foto: josef philipp

    Josef Oberneder ist seit Oktober 2012 Vizerektor für Hochschulmanagement und Schulentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich.

    Seine Arbeitsschwerpunkte sind organiationswissenschaftliche Fragestellungen in Schulen und Organisationen.

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