Lieber bleiben, wo das Wachstum ist

10. Juni 2013, 10:11
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Kambodscha: Zwei Häuser hat die Luxushotelkette Raffles, und beide führen Österreicher - Christian Sack und Richard Schestak sagen, wie man Hoteldirektor wird

Wirtschaftskrise? Nicht in Südostasien, sagen die beiden General Manager. Nicht in einem Land, das sich erst eineinhalb Jahrzehnte mit Zukunftswillen vom Terrorregime eines Pol Pot und einer Reihe Bürgerkriegen erholt. Und weniger noch in ihrem Segment. 

"Im Fünf-Sterne-Bereich spürt man die Weltkonjunktur weniger als bei Drei- oder Vier-Sterne-Häusern", sagt der Wiener Christian Sack. "Booming in den letzten drei, vier Jahren" sei die Destination Kambodscha. Mit Wachstum um 15 bis 20 Prozent. 

Sack leitet das Grand Hotel d’Angkor in Siem Reap seit bald zwei Jahren. Seit 19 Jahren arbeitet er "in der Welt", alle zwei, drei Jahre in einem neuen Haus, zuvor Shangri-La in Manila, Sydney, Tokio, davor die Stationen St. Petersburg, Malediven, London, Idaho, Seefeld, da fing er an. 

Richard Schestak, 41 und in Tulln geboren, ist "seit 20 Jahren unterwegs", erst auf Luxuskreuzfahrtschiffen, lange bei Fairmont im Nahen Osten, Afrika und Nordamerika. General Manager steht bei beiden in Kambodscha erstmals im Lebenslauf. Seit Mitte 2010 leitet Schestak das Raffles Hotel Le Royal in Phnom Penh.

"Atemberaubend wachsen"

"Während man in der EU um wirtschaftliche Erholung kämpft, verfolgen wir hier in Asien atemberaubendes Wachstum." "Rege" mehrten sich regionale Geschäftsreisen. "Moderat" die Lohnkosten.

300 Mitarbeiter für 119 Zimmer wie in seinem Haus in Siem Reap wären in Europa undenkbar, sagt Sack. Zurück nach Österreich will er wohl auch deshalb erst in der Pension, und dafür hat er mit 42 noch gut Zeit. In Asien sieht er "die besten Hotels", den besten Service. "Und ich bin vielleicht zu lange weg" für eine Rückkehr: "Wir bleiben auch meistens weg." 

Vielleicht will er sich auch nicht mehr konfrontieren mit Bürokratie oder Raunzneigung in der Heimat, aber selbst wenn, würde er das gewiss nicht laut sagen. 

Wohl stärken auch die Bezahlung und Extras für "Expats" das Faible für die Ferne. Schmerzensgeld, wenn man so will. Auch für den meist nicht ganz so schönen Weg dorthin und die Entfernung vom Ort, den man als ersten "daheim" nannte.

"Leider denken viele Hotelfachschüler, sie werden gleich danach Manager", sagt Sack. "Ich rate, in die große Welt zu gehen. Ausland hilft immer." Aber: "Das kann eine harte Zeit werden, vor allem im Ausland, wo man meist alleine ist, ohne Familie oder Freunde. Da muss man wirklich hart durchbeißen, um durchzukommen." Mentoren suchen, rät er. "Anpassen können, flexibel sein, nie aufgeben. Und immer das Karriereziel vor Augen haben."

Schestak nennt neben guter Ausbildung, akademischer Qualifikation, Risikofreude noch "Mut, Ausdauer, Fokus, Geduld und positive Einstellung, dass jeder Tag neue Herausforderungen und Lernerlebnisse darstellt".

"24 Stunden aktiv"

Schmerzensgeld gibt es, jedenfalls am Karriereziel, wohl auch für einen 24-Stunden-Job. Den erwähnt Schestak nicht etwa auf die Frage, ob und was ihn an seinem Metier stört. "Es gibt für mich keine Nachteile, ich bin sehr zufrieden", antwortet man da. Und was schätzt Schestak am Job? "In der Hotellerie zu arbeiten ist ein Lebensstil und kein 'Job'. Man kann keine Grenze ziehen zwischen beruflichen Verpflichtungen und Freizeit. Ein Hotelbetrieb ist täglich 24 Stunden aktiv." Rund um die Uhr sei er für Gäste, Mitarbeiter, Eigentümer erreichbar. 

Was er, und wohl nicht alleine er, an diesem Lebensstil jedenfalls auch schätzt, vielleicht liebt – das Wort kam auch in der Frage vor –, zeigt sich im Beispiel, das Schestak dazu erwähnt: "Ich hatte im Vorjahr einen speziellen Tag, wo ich am Morgen US-Präsident Barack Obama begrüßte, am Nachmittag mit Hillary Clinton über ihren Aufenthalt in Phnom Penh sprach und später am Abend ein kambodschanisches Gemälde an die australische Premierministerin Julia Guillard überreichte."

Schestak sieht als Zuhause, "wo immer meine beruflichen Postings uns hinbringen". Weil er "dynamisches Geschäftsleben bevorzugt", "liebt" er Nahost und Asien. In Südostasien will er "länger" bleiben, die vorerst nächste Station passt dazu: Ab August 2013 bereitet er die Eröffnung des Raffles in Jakarta vor. 

Und Sack? Will "unbedingt" noch in China arbeiten und im Nahen Osten, etwa Dubai. Und wenn wir schon von Wachstumsmärkten reden: "Laos ist noch ein wundervolles, unberührtes Land, auch Myanmar. Aber die Infrastruktur ist noch im Aufbau. Man muss dort noch etwas tun." (Harald Fidler, DER STANDARD, 8./9.6.2013)

Der Autor traf Sack und Schestak bei einer Reisestory-Einladung von Singapore Airlines, Raffles, ICS, organisiert von der deutschen ­PR-Agentur Waldburg-Benecke.

  • "Leider denken viele Hotelfachschüler, sie werden gleich danach Manager": Christian Sack wurde mit 40 erstmals General Manager – des Grand Hotel d’Angkor in Kambodscha. Auch das zweite Raffles-Haus in Kambodscha leitet ein Österreicher – das sei reiner Zufall, versichern beide Ösis.
    foto: standard/fidler

    "Leider denken viele Hotelfachschüler, sie werden gleich danach Manager": Christian Sack wurde mit 40 erstmals General Manager – des Grand Hotel d’Angkor in Kambodscha. Auch das zweite Raffles-Haus in Kambodscha leitet ein Österreicher – das sei reiner Zufall, versichern beide Ösis.

  • Noch Chef des Royal in Phnom Penh, bald in Jakarta: Schestak.
    foto: raffles

    Noch Chef des Royal in Phnom Penh, bald in Jakarta: Schestak.

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