Meinl will Kaffee-Weltmarke werden

7. Juni 2013, 14:16
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Angriff auf Italo-Espresso

Wien - Der heimische Kaffeeröster Julius Meinl nimmt nach seiner Osteuropa-Expansion nun Ostasien, den Mittleren Osten und Nordamerika ins Visier. "In den kommenden fünf bis zehn Jahren soll Meinl eine Kaffee-Weltmarke im Gastrobereich werden", sagte Geschäftsführer Marcel Löffler. Derzeit dominieren weltweit noch die italienischen Röster Illy, Lavazza und Segafredo das Kaffeegeschäft mit Hotels, Restaurants und Cafes.

Zurzeit beliefert Meinl rund 40.000 Kunden in 70 Ländern. In mehr als 40 Ländern zählt der Kaffeeröster nach eigenen Angaben bereits zu den Top 3 Anbietern im Gastrobereich. Für den weltweiten Kundenfang hat sich Meinl heuer eine neue Werbekampagne zugelegt. Mit dem Slogan "Inspiring poets since 1862 - Inspiriert Poeten seit 1862 " will man auf die große Wiener Kaffeehaustradition verweisen und der italienischen Espressokultur kontern.

Das vergangene Geschäftsjahr ist für die Julius Meinl Industrieholding trotz Wirtschaftsflaute in Europa erfreulich verlaufen: Die Umsätze stiegen im Vergleich zu 2011 um fünf Prozent auf 131 Mio. Euro, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 14 Prozent auf 19,4 Mio. Euro. Zwei Drittel des Umsatzes macht Meinl in der Gastronomie, den Rest im Lebensmittelhandel - vor allem in Österreich - und mit Kaffee für Kaffeeautomaten in Italien.

Russland-Geschäft pusht Umsätze 2012

Regional verzeichnete Meinl den größten Umsatzanstieg in Russland mit plus 80 Prozent auf 15 Mio. Euro, dem nun bereits drittgrößtem Einzelmarkt. Trotz Wirtschaftskrise in Osteuropa legten die Erlöse in den Staaten Ex-Jugoslawiens um 15 Prozent auf 20,5 Mio. Euro zu. Das Erlösplus sei vor allem auf das gut laufende Neukundengeschäft zurückzuführen, erklärte Löffler. In diesen Ländern werde erst zuletzt beim Kaffee gespart, im Gegensatz zu traditionellen Teeländern in Osteuropa, wie etwa Polen. Dennoch konnte der Kaffeeröster in Zentral- und Osteuropa ein leichtes Umsatzplus von 2 Prozent auf 31,4 Mio. Euro verzeichnen.

Im Heimatmarkt Österreich lag der Umsatz im vergangenen Jahr stabil bei 58,8 Mio. Euro. Im heimischen Lebensmitteleinzelhandel ist Meinl nach Eduscho/Tchibo und Jacobs die Nummer drei und in der Gastronomie mit einem Marktanteil von 20 Prozent Marktführer. Ob es in Kürze zu einer weiteren Kaffeepreissenkung kommen werde, wollte Löffler konkret nicht beantworten. Seit dem Verfall der internationalen Kaffee-Rohstoffpreise habe Meinl die Preise um 50 Cent bis 1 Euro pro Packung gesenkt. Als Kaffeeröster müsse man sich mit den Rohstoffmärkten bewegen.

Trotz gewichtiger Rolle von Meinl am heimischen Kaffeemarkt wurde die Bundeswettbewerbsbehörde bei den laufenden Ermittlungen im Lebensmittelhandel noch nicht vorstellig. Die BWB hat sich laut Meinl-Geschäftsführung nicht gemeldet.

Die Julius Meinl Industrieholding beschäftigt weltweit rund 600 Mitarbeiter, davon ein Viertel in Österreich. Das Unternehmen betreibt zwei Röstereien in Wien und und Vicenza (Italien). (APA, 7.6.2013)

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    Meinl will am Kaffee-Markt hoch hinaus.

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