"Und plötzlich ist alles nicht mehr da"

7. Juni 2013, 17:07
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Wie Unternehmen reagieren, wenn große Teile ihrer Mitarbeiter persönlich von Katastrophen wie dem Hochwasser betroffen sind

Zigtausend gestapelte Sandsäcke neben zweckentfremdeten Doka-Platten: In den vergangenen Tagen wurde alles an Material aufgeboten, um das eigene Hab und Gut vor den Fluten zu schützen. "Auch wenn sie auf diese Art und vor allem in so dramatischen Situationen verwendet werden - wir sind froh, wenn wir helfen können", sagt Kurt König, Director Human Resources der Umdasch Group, unter deren Dach die gelben Schalungsplatten produziert werden. Viele Unternehmen fühlen sich in Notsituationen wie diesen ihren Mitarbeitern verpflichtet, sagt er. Und jedes Unternehmen gehe da unterschiedliche Wege.

Herbert Buchinger, Direktor der Raiffeisen-Filiale in Krems etwa, stellte jeden - Betroffene wie Helfer - frei, startete Spendenaktionen, ebenso wie andere Raika-Filialen in den betroffenen Regionen. Eine Spendenaktion für Soforthilfe an das Rote Kreuz hat auch die Bank Austria (BA) sofort ins Leben gerufen. BA-Mitarbeiter stehen ebenfalls ehrenamtlich im Dienst der Hochwasserhilfe.

Als kritisch galt diese Woche am Dienstag auch die Hochwassersituation im Voestalpine-Werk in Linz. "Das Servicecenter wurde geflutet", berichtet Pressesprecher Peter Felsbach. Die Produktion war davon nicht betroffen, sagt er. Als klar war, dass die Zubringerstraßen vor allem Richtung Mühlviertel bald nicht mehr befahrbar sein würden, so Felsbach weiter, wurde zunächst der Heimtransport der Lehrlinge aus der Gegend organisiert, und jene Mitarbeiter wurden freigestellt, die zu Hause gebraucht wurden und noch immer werden. Wie das Unternehmen längerfristig mit den Folgeschäden für die Mitarbeiter, die möglicherweise ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, umgehen werde, sagt er, müsse man sich genauer ansehen.

Aufräumarbeit als Arbeitszeit

Leider, so Kurt König von der Umdasch Group, habe man seit 2002 fast schon Übung in den Prozessen, die das Unternehmen und der Vorstand in solchen Situationen einleiten. In einer ersten Phase, der Akutphase, wo noch nicht absehbar sei, wer von den Mitarbeitern in welcher Form betroffen ist, gehe es darum, dass jene Zeit, die für die Rettung des Hab und Guts oder im Einsatz als Freiwilliger als Arbeitszeit angesehen werde. König: "Wissen Sie, wir sind Häuslbauer, haben einen Vorgarten mit Gartenzwerg - und dann ist plötzlich nichts mehr davon da, und mit der Zille fahren Sie ins Schlafzimmer rein. Unvorstellbar für jemanden, der so etwas noch nie erlebt hat."

Auch die Aufräumarbeiten zählen bei der Umdasch Group zur Arbeitszeit. Trotz leidiger Erfahrungen aus dem Jahr 2002 habe man im Unternehmen zwar keinen "fixen Hochwasser-Hilfsfonds", allerdings einen Sozialfonds, der über das gesamte Jahr für Härtefälle eingesetzt werde. Im Jahr 2002 spendete das Unternehmen 75.000 Euro an betroffene Mitarbeiter. Das Ausmaß der jetzigen Katastrophe sei allerdings noch nicht absehbar, so König weiter. Der vom Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria diese Woche Mittwoch geschätzte volkswirtschaftliche Schaden beläuft sich jedenfalls auf 2,2 Milliarden Euro. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 8./9.6.2013)

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    Gefragt: Echte Corporate Social Responsibility in menschlicher, lokaler Dimension - Unternehmen sehen sich den Bewohnern der Region und ihren Mitarbeitern verpflichtet.

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