Golan-Höhen - von der militärischen Festung zum Niemandsland

7. Juni 2013, 15:39
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Seit 1974 versuchen UN-Soldaten auf dem Vulkanplateau den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien zu sichern

Sowohl für Israel als auch für Syrien sind die Golan-Höhen strategisch sehr wichtig. Weil von den Höhen aus leicht auf feindliches Gebiet geschossen werden kann, war das Plateau in der Vergangenheit immer stark umkämpft. Vor der Eroberung im Jahr 1967 durch Israel beschoss Syrien vom Golan aus israelische Gemeinden. Während des Sechstagekriegs nahm Israel die Region ein und besetzt seither zwei Drittel davon.

Erst nach dem Yom-Kippur-Krieg im Jahr 1973, als Syrien erfolglos versuchte, den Golan zurückzuerobern, unterzeichneten beide Länder wurde unter Vermittlung der USA ein Abkommen, das den Grundstein für die heutige UNO-Mission legte, die auch unter der Abkürzung UNDOF (United Nations Disengagement Observer Force) bekannt ist.

Formal im Krieg

Das sogenannte "Entflechtungsabkommen" beinhaltete die Rückgabe eines Teils des von Israel besetzten Territoriums und die Einrichtung einer UNO-kontrollierten Pufferzone. Diese entmilitarisierte Zone soll den Waffenstillstand zwischen beiden Ländern sichern, die sich auch heute noch formal im Kriegszustand befinden. Das UNO-Mandat gibt den Blauhelmen die Kontrolle über die "Area of Separation" (AOF), die eigentliche Pufferzone. Aber auch in der "Area of Limitations" (AOL) ist es Israel und Syrien untersagt, allzu viele Truppen und Artillerie zu stationieren (siehe Grafik). Die Alpha-Linie der Pufferzone darf von Israel nicht überschritten werden, für Syrien gilt das Gleiche für die Bravo-Linie.

Im Gegensatz zu Mandaten wie in Zypern, haben die UN-Soldaten am Golan nicht das Recht, Verstöße gegen das Abkommen von Seiten Israels oder Syriens zu beenden und dagegen vorzugehen. Es besteht ausschließlich eine Aufzeichnungs- und Meldepflicht.

Drusen am Golan

An der UNO-Mission beteiligten sich neben Österreich anfangs Peru, Kanada und Polen. In den vergangenen Jahren stellten die Philippinen, Indien und Österreich das Hauptkontingent. Anfang Mai waren noch 913 Soldaten am Golan. Österreich zieht in den nächsten Wochen seine 380 Soldaten ab, die Philippinen haben noch nicht darüber entscheiden. Insgesamt sind seit 1974 43 Soldaten am Golan getötet worden.

Am Golan leben derzeit neben Israelis und Syrern auch 20.000 Drusen. Diese lehnten nach der Besetzung 1967 die Übernahme der israelischen Staatsbürgerschaft ab und protestierten gegen die von Israel im Jahr 1981 proklamierte Annektierung, die bis dato nicht von den Vereinten Nationen anerkannt wurde. Im Jahr 2000 führten Israel und Syrien auf Vermittlung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton Verhandlungen über das Gebiet, die jedoch scheiterten. Im Jahr 2008 wurde ein weiterer Versuch gestartet.

Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs ist der Golan auch zum Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen den Rebellen und der syrischen Armee geworden. Im Zuge dessen wurden UNDOF-Blauhelme beschossen und verletzt, was die kontinuierliche Deziermung des Truppenkontingents und den Rückzug einiger Länder von der Mission auslöste. (ted, derStandard.at, 7.6.2013)

  • Die UN-Mission in ihren Anfängen.
    foto: bundesheer

    Die UN-Mission in ihren Anfängen.

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    Totenwache für zwei österreichische Soldaten im Jahr 1997. Insgesamt 43 Blauhelme verschiedener Nationen kamen seit 1974 am Golan ums Leben.

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    Grenzübergang bei Kuneitra im Jahr 1999. Hier kam es am Donnerstag zu Gefechten.

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