Essen je nach Stimmung

7. Juni 2013, 10:32
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Wie stark beeinflussen Emotionen die Geschmackswahrnehmung? - Dieser Frage sind Wissenschaftler der Universität Würzburg nachgegangen

Würzburg - Abends vor dem Fernseher: Der Film ist traurig, da wird geweint und mitgelitten – und plötzlich sind ganz nebenbei zwei Chipspackungen vernichtet. Eine Erklärung für dieses Essverhalten liefern jetzt Würzburger Psychologen im Journal PLoS ONE.

Die Wissenschaftler zeigten ihren Versuchsteilnehmern Filmausschnitte mit lustigen, traurigen und neutralen Inhalten. Davor und danach mussten die Probanden Flüssigkeiten trinken und deren Geschmack – süß, sauer oder bitter – nach deren Intensität bewerten. Auch den Fettgehalt von Milch sollten sie anhand des Geschmacks einschätzen.

Dabei zeigte sich: Menschen, die grundsätzlich eher negativ gestimmt sind, konnten nicht mehr zwischen fettig und fettarm unterscheiden, wenn sie davor lustige oder traurige Filmszenen gesehen hatten. Nach neutralen Szenen erkannten sie den unterschiedlichen Fettgehalt sehr wohl, ebenso vor dem Anschauen der Videoclips. Zudem beurteilten die Probanden bittere und süße Geschmacksproben als intensiver.

Einfluss der Emotionen

"Mit unseren Experimenten haben wir gezeigt, wie stark Emotionen unser Geschmacksempfinden und damit auch unser Essverhalten beeinflussen können", sagt die Psychologin Petra Platte. Nach ihrer Einschätzung können die Versuchsergebnisse auch erklären, warum manche Menschen zum Beispiel vor dem Fernseher mehr Chips und andere fettige Snacks vertilgen, als ihnen gut tut.

"Möglicherweise richten Personen, die sich in einer negativen Stimmung befinden, beim Ansehen emotionsgeladener Szenen ihre Aufmerksamkeit viel stärker auf den Film als gut oder neutral gelaunte Menschen", sagt die Würzburger Wissenschaftlerin. Für "Nebensächlichkeiten" – wie die Bewertung des Fettgehaltes von Nahrung – sei dann keine mentale Kapazität mehr vorhanden: "Die kognitive Kontrolle über das Essverhalten versagt, und es wird wie automatisch gegessen."

Für Menschen mit Frustrationen oder leichten Depressionen und Gewichtsproblemen könnte das heißen, dass sie beim Ansehen von Filmen besser eine Portion Chips in ein Schälchen füllen, statt die ganze Packung auf den Tisch zu legen. Inwiefern für diesen Personenkreis psychologische Hilfestellungen sinnvoll sind, wollen die Würzburger Wissenschaftler noch untersuchen. (red, derStandard.at, 7.6.2013)

 

 

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