Die Gefahren am Anleihenmarkt

7. Juni 2013, 09:58
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Eine Reihe von Fonds wurde von der Schubumkehr bei den Anleihenrenditen im Mai teils schwer getroffen

Anleihenfonds waren in den vergangenen Jahren Garanten für gute Erträge. Die niedrigen Leitzinsen und die aggressiven Anleihen-Kaufprogramme der Notenbanken hatten die Kurse bei allen möglichen Bonds, von Staats- bis zu Unternehmenspapieren, gestützt und trotz niedriger Umlaufrenditen für hohe Gewinne bei den Produkten gesorgt. Wer in der Vergangenheit hohes Zinsrisiko einging, also lang laufende Papiere kaufte, wurde fürstlich belohnt. Der Bund-Future als Maßstab für die Entwicklung deutscher Anleihen ist in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen (onvista).

Doch im Mai ereignete sich eine Schubumkehr. Ausgelöst von den Aussagen der US-Notenbank Fed preisen die Investoren plötzlich eine baldige Straffung der Geldpolitik ein. Die Anleihenzinsen in den USA, Deutschland oder Österreich sind seit Anfang Mai um rund 50 Basispunkte gestiegen, also einen halben Prozentpunkt. Das klingt erstmals nicht nach viel. Doch mit entsprechendem Durationsrisiko, also vielen lang laufenden Papieren im Portfolio, haben Investoren viel verloren.

Das zeigen etwa passive Produkte mit hohen Durationen. Der iShares Anleihenfonds mit der höchsten Duration hat über vier Prozent eingebüßt. Auch Schwellenländer kamen unter die Räder. Der iShares Emerging Market Local Currency Fonds, der in Staatsanleihen in lokaler Währung investiert, verlor das Doppelte. Laut Daten von Lipper, die derstandard.at vorliegen, sind neun der elf großen Anleihen-Klassen im Monat Mai im Minus gelandet, über 80 Prozent der Fonds.

Kalte Füße

Dabei haben Anleger offenbar auch nach monatelangem Boom in Anlageklassen wie Hochzinsanleihen oder Schwellenländer-Bonds kalte Füße bekommen. Die Financial Times berichtet, dass in den USA so viel Geld aus Hochzinsanleihenfonds abgezogen wurde wie noch nie, mehr als vier Milliarden Dollar.

Große Verwerfungen gibt es offenbar auch bei Hedgefonds, die in den vergangenen Jahren noch gutes Geld damit verdient haben, auf fallende Staatsanleihen-Zinsen zu wetten. Trendfolger wie Man Groups AHL Fonds haben kräftig verloren, insgesamt – so zeigen es etwa die Fondsdatenbanken von Newedge – liegt die in Österreich beliebte Anlageklasse der systematischen Hedgefonds im Mai knapp drei Prozent im Minus, mit einzelnen Produkten, die auch zweistellige Verluste erlitten haben.

An dieser Stelle braucht es einen wichtigen Disclaimer. Die meisten Investoren haben in der Vergangenheit sehr viel Geld mit dem Rückgang der Anleihenrenditen verdient. Daher können sie das jüngste Schlagloch an den Kapitalmärkten durchaus wegstecken. Doch der Anstieg der Renditen ist unangenehm. Sollten Investoren erstmals signifikant Geld mit sicher geglaubten Anleihen-Produkten erleben, könnten sie der Anlageklasse schnell den Rücken zuwenden. Und das könnte einen eigentlich harmlosen Kurssturz noch einmal verstärken. (Lukas Sustala, derStandard.at, 7.6.2013)

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    Anleger haben offenbar auch nach monatelangem Boom in Anlageklassen wie Hochzinsanleihen oder Schwellenländer-Bonds kalte Füße bekommen.

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