Postoperative Wundinfektionen sind ein verbreitetes Problem

7. Juni 2013, 09:51
2 Postings

Bei der Implantation künstlicher Hüft- und Schulterprothesen kommt es bei ein bis zwei Prozent der Fälle zu einer postoperativen Infektion

Wien/Istanbul – Postoperative Wundinfektionen nach orthopädischen Operationen stellen europaweit ein erhebliches Problem dar. Darauf wies heute die Initiative "Sicherheit im OP" aus Anlass des Europäischen Orthopädiekongresses EFORT 2013 hin.

Beispielsweise kommt es bei der Implantation künstlichen Hüft- und Schulterprothesen bei ein bis zwei Prozent der Fälle zu einer postoperativen Infektion, beim Knieersatz ist das in zwei bis drei Prozent der Fall, bei Knöchel-Operationen liegt die Rate bei vier Prozent und bei Ellenbogen-Eingriffen bei zehn Prozent, berichtete in Istanbul der Schweizer Experte Oliver Bohrens, von der Universitätsklinik in Lausanne.

Wirbelsäulen-OPs

Eine präsentierte norwegische Studie weist auf einen deutlichen Anstieg der Raten postoperativer Infektionen (SSI, Surgical site infection, Anm. Red.) bei Wirbelsäulen-Eingriffen in den vergangenen zwei Jahrzehnten hin. Verglichen wurde der Zeitraum 1994 bis 1997 mit dem Zeitraum 1999 bis 2010. Während im ersten untersuchten Zeitabschnitt bei zwei Prozent der Wirbelsäulen-Patienten SSI verzeichnet wurden, hatte sich dieser Anteil im Untersuchungszeitraum 1999 bis 2010 bereits auf 6,1 Prozent erhöht, berichteten die Studienautoren vom St. Olavs Krankenhaus der TU Trondheim. Mögliche Erklärungen, so die Studie, seien ein Anstieg von SSI-Risikofaktoren bei Patienten wie Diabetes, Übergewicht oder das Alter, aber auch "Veränderungen in der OP-Umgebung".

Hohe Folgekosten

Vor ökonomischen Konsequenzen der Entwicklung warnte Borens in seinem Vortrag: "Die Folgekosten durch eine postoperative Infektion können bis zu zehnmal so hoch sein wie die Operation selbst." Der Prävention komme daher besondere Bedeutung zu, so der Schweizer Experte: "Die Faustregel ist: Eine Minute Infektionsprophylaxe verhindert eine Stunde Infektionsbehandlung. Das Bewusstsein dafür wächst, muss aber noch in den Köpfen aller Beteiligten ankommen." (red, derStandard.at, 7.6.2013)

 

 

Share if you care.