Bewegung gegen Arthrose-Schmerz

7. Juni 2013, 09:23
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Patienten profitieren von Trainingsprogrammne vor orthopädischen Eingriffen - Neuromuskuläres Training gilt als Therapie der Wahl

Aktuelle Behandlungs-Leitlinien definieren Bewegungsprogramme als wesentlichen Bestandteil der Therapie von Knie- und Hüftarthrosen. Auf dem EFORT Kongress in Istanbul vorgestellte neue Ansätze unterstreichen die Schlüsselrolle von Training auch im Zusammenhang mit orthopädischen Eingriffen. Bewegungsangebote müssen individuell auf die Patienten zugeschnitten sein, die Motivation Betroffener ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Neuromuskuläres Training gilt als Therapie der Wahl.

Istanbul – Neben einer eventuell erforderlichen Gewichtsreduktion und umfassender Patientenaufklärung gehören Trainingsprogramme mit zur Standardbehandlung der Arthrose. Bewegung kann außerdem eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit orthopädischen Operationen bei Arthrose-Patienten spielen, sagt Ewa Roos, vom Institut für Sportwissenschaften und Klinische Biomechanik an der Universität Odense in Dänemark. Ein individuell angepasstes Bewegungsprogramm vor einem potenziellen orthopädischen Eingriff könne zu einer gezielteren Auswahl von Patienten beitragen, die von einem Eingriff profitieren – und damit nicht zuletzt Wartelisten für Hüft- oder Knieersatz verkürzen.

Roos unterstreicht den schmerzlindernden Effekt von gezieltem Training. Dieser könne häufig dazu beitragen, eine Gelenksersatz-Operation hinauszuzögern. Gerade dieser Aspekt von Bewegungsprogrammen bei der Behandlung von Arthrose ist derzeit ein wichtiger Forschungsschwerpunkt in skandinavischen Ländern, eine Reihe von großen randomisierten Studien laufen gerade. "Wenn man über einen Zeitraum von sechs Wochen zwei Mal wöchentlich gezielt trainiert, erzielt man eine zwei- bis dreimal bessere schmerzlindernde Wirkung als mit der üblichen Dosis von Analgetika", sagt Roos.

Motivierte Patienten

Wesentlich ist, dass Patienten ausreichend motiviert sind, einen Trainingsplan auch konsequent zu befolgen, wobei die Therapeuten eine wesentliche Rolle spielen können, so Roos: "Orthopädische Chirurgen sollten dafür sensibilisiert werden, ihren Patienten die wesentliche Rolle von Sport für die Schmerzlinderung, für eine bessere Leistungsfähigkeit und für eine allgemeine Verbesserung des Gesundheitszustands nahezubringen." Das sei schon deshalb wichtig, weil Arthrose vor allem dann zu einer verringerten Lebenserwartung beitragen kann, wenn die allgemeine Mobilität eingeschränkt ist.

"Für einen Langzeiterfolg müssen Aktivitäten und Trainingsangebote gefunden werden, die den Patienten Spaß machen und bei denen sie sich wohlfühlen", sagt Roos.  Lebensstiländerungen fallen generell schwer und sie fallen noch schwerer, wenn die Betroffenen unter Gelenkschmerzen leiden und trotzdem Sport treiben sollen. Fortschritte der Patienten empfiehlt Roos regelmäßig zu überwachen. eine Aufgabe, die üblicherweise Physiotherapeuten übernehmen.

Als viel versprechender Ansatz für Arthrose-Patienten hat sich neuromuskuläres Training erwiesen. "Neuromuskuläres Training baut auf biomechanischen Grundsätzen auf und wurde speziell für Patienten mit Knie- oder Hüftarthrosen entwickelt", sagt Roos. Um die Übungen dem individuellen Status der Betroffenen anpassen zu können, empfiehlt die Expertin regelmäßige Schmerzmessungen, um besser einschätzen zu können, wann ein Patient für die nächste Steigerung  der Trainingsintensität bereit ist. (red, derStandard.at, 7.6.2013)

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