Autobauer zittern vor chinesischen Strafzöllen

7. Juni 2013, 15:04
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Der Verband der europäischen Fahrzeughersteller ACEA sieht rund um den Handelsstreit dunkle Wolken aufziehen

Frankfurt/Stuttgart - Der Handelsstreit der EU mit China könnte Europas Autobauern auf dem weltgrößten Absatzmarkt schaden. Außer Strafzöllen auf europäischen Wein erwäge die Regierung in Peking auch zusätzliche Zölle auf den Import von Autos aus Europa, befürchtet der Verband der europäischen Fahrzeughersteller ACEA. Damit sei zu rechnen, falls die EU-Kommission nicht von ihrer gegenwärtigen Handelspolitik gegenüber China abweiche und die Strafzölle auf chinesische Solarmodule zurücknehme. Wenn es keine Verbesserung des politischen Klimas gebe, dann werde China voraussichtlich "Vergeltung" bei Fahrzeug-Einfuhren üben, sagte ein ACEA-Sprecher.

Nach Angaben des Verbands ging beim Handelsministerium in Peking eine Beschwerde über unzulässige Beihilfen ein, mit deren Hilfe europäische Autobauer ihre Fahrzeuge in China unter Wert verkauften. Die Regierung habe daher ein Prüfverfahren für Strafzölle auf europäische Oberklasse-Wagen angekündigt. Erste Strafzölle könnten ab September erhoben werden, im Visier stünden Autos mit einem Hubraum von mehr als zwei Litern.

Mehr und mehr Autos

Dieses vor allem von deutschen Herstellern wie Audi, VW, BMW, Daimler und Porsche dominierte Marktsegment machte zuletzt laut des deutschen Herstellerverbands VDA acht Prozent des chinesischen Automarkts aus. Die Mehrheit der Autokäufer erwirbt hingegen kleinere Pkw mit einem Motorhubraum zwischen 1,1 bis 1,6 Liter. Insgesamt wurden in China im vergangenen Jahr 13,2 Millionen Pkw verkauft - zwanzig mal mehr als im Jahr 2000. Zum Vergleich: In Europa fielen die Verkaufszahlen 2012 mit gut zwölf Millionen Neuwagen auf den tiefsten Stand seit 1995. Der Autoexport aus Europa nach China brummt: 2011 gingen laut ACEA knapp 545.000 Pkw im Wert von mehr als 17 Milliarden Euro nach China, knapp ein Fünftel der europäischen Autoausfuhren in alle Welt.

Globale Lösung im Solarstreit

Die USA machen sich für eine globale Lösung des Solarstreits mit China stark. Die USA hätten bereits anfängliche Verhandlungen geführt, die zu einer globalen Einigung auf die Beilegung des Handelskonfliktes führen könnten, sagte Mike Froman aus dem Wirtschaftsstab von Präsident Barack Obama. Er selbst spreche sich für eine solche Einigung aus, erklärte Froman.

EU-Handelskommissar Karel De Gucht hatte im Mai erklärt, die USA und Europa verzichteten vorerst auf einen Schulterschluss in dem Streit über Solarmodule. China droht der EU mit Vergeltung für Solar-Schutzzölle und hat Abgaben auf Wein-Importe aus Europa angekündigt. De Gucht hofft nach eigenen Angaben trotz der jüngsten Zuspitzung des Streits auf eine Verhandlungslösung. Viele befürchten jedoch, dass sich der Streit zu einem Handelskrieg zwischen der EU und China ausweitet. Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler hatte die "Strafzölle" deshalb als schweren Fehler bezeichnet. Noch sind sie vorläufig. Eine endgültige Entscheidung fällt im Dezember. (APA/Reuters, 7.6.2013)

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    Nach Europas Winzern fürchten nun die Autobauer einen Schuss vor den Bug.

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