Same same but different

Blog6. Juni 2013, 21:36
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Wien führt die AFL vor Tirol an, im Euro Bowl-Halbfinale empfangen die Vikings Berlin und die Raiders Calanda. Das ist kein Eintrag von 2012, den damals wusste ich noch nicht, dass 2014 eine EM in Österreich sein wird

Eigentlich könnte ich Blogeinträge 2012 aus dem Zeitraum hier fast 1:1 übernehmen. Es hat sich in der heimischen Football Bundesliga, trotz vieler neuer Aspekte im Vorfeld, wenig verändert. International ergaben sich im Semifinale der European Football League (EFL) genau jene Paarungen, die wir auch schon 2012 sahen. Die EFAF hat vergangenen Donnerstag genau jenen Teams das Heimrecht zugesprochen, welches dieses schon 2012 inne hatten. Chur (Broncos) spielt das Halbfinale am Tivoli gegen die Swarco Raiders, Berlin (Adler) seines bei den Raiffeisen Vikings. Beides am 16. Juni.

Geht es so weiter, dann lautet das europäische Klubfinale Calanda gegen Wien und gespielt wird in Liechtenstein. Die Broncos gewinnen dann ihre zweite Euro Bowl, die Vikings ihre zwölfte Austrian Bowl...

No alerts...

Die Viertelfinalspiele der EFL waren erleuchtend. Alle vier. Die Stippvisiten skandinavischer Klubs in Österreich kann man im Fall Innsbruck noch als ambitionierten Versuch bewerten, denn Helsinki wehrte sich bei seiner 13:52-Niederlage gegen die Raiders wohl nach Kräften und Möglichkeiten, im anderen dann aber schon als Irrläufer. Was der dänische Vizemeister Søllerød Gold Diggers, im Jahr 2012 immerhin noch Cupsieger des EFAF-Klubbewerbs, in Wien fand, das war alles andere als golden. Rund 40 Spielzüge mit leerem Backfield brachten ihnen keine 200 Yards durch die Luft bei null Punkten und vier Interceptions. Es sah beinahe wie ein Spiel der Wikinger gegen die Rangers aus, wenn auch der Gegner eine andere Spielweise als Mödling bevorzugt. Erfolgversprechendes war in beiden Fällen nicht dabei. Was auch das Dilemma der heimischen Bundesliga beschreibt. Den Mödlingern sei geraten, international zu spielen, wenn sie wieder Spiele gewinnen wollen. Die Halbfinalgegner aus dem Norden messen durchaus ihre Kragenweite. Der Gewinn des EFAF Cups ist ebenso möglich, wie ein Überleben des Grunddurchgangs im Meisterbewerb. Das sei auch mal gesagt, dass der sieglose Nachzügler der heimischen Liga in anderen europäischen Ligen wohl zum engeren Kreis der Titelanwärter zählen würde. Wohl nicht in Deutschland, aber selbst in der GFL würden sie nicht ungut auffallen und irgendwo zwischen München und Marburg ihr Dasein berechtigen.

In der heimischen Bundesliga sind sie, wie auch der europäische Cupsieger 2009 aus Prag, derzeit bloß Punktelieferanten für die anderen Teilnehmer. Das kann man sich mit finanziellen Engpässen erklären (Prag), oder mit aufsteigenden Formkurven und selektiven Statistiken verniedlichen (Mödling). Wobei die Rangers im Vorjahr, nach genau jenen sechs Spielen, die sie heuer absolviert haben, bei 0-6 und einem Punkteverhältnis von minus 311 standen. Heuer sind es „nur" mehr minus 222. Verlor man 2012 die Spiele noch mit mehr als 50 Punkten Unterschied im Schnitt, sind es jetzt 37. Und man reduzierte die Shutouts durch des Gegners Defense von drei auf null. Man hat bislang in jedem Spiel angeschrieben. Sich daran hoch zu ziehen ist mühsam, viel mehr wird den Niederösterreichern nicht übrig bleiben, außer – siehe oben – sich europäisch zu laben.

...and no surprises

So steht die neunte von elf Spielrunden mit ganz wenig Überraschungspotential vor der Tür. Das Gastspiel der Raiders bei den Dragons hat in der Theorie ein wenig Knister-Potential, die Tiroler machten in den letzten Runden allerdings nicht den Eindruck, als ob ihnen in Stadlau ein Missgeschick passieren könnte. Die Vikings fahren nach Prag. Zu einem Team, welches im Hinspiel zwei Touchdowns gegen sie erzielen konnte, was zwei mehr waren, als in den vergangenen drei Saisonen zusammen. Auch die Reise der Giants ins Stadion Mödling steht unter keinem günstigen Stern für die Rangers. Die Grazer haben in Berlin tatsächlich eine Wiederholung des Kunststücks von 2011 vollbracht, als sie im EFL-Halbfinale ein 21:0-Führung zur Pause gegen die Adler noch hergaben und 2013 eine 28:9-Führung zu Beginn des letzten Viertels nicht über die Runden gebracht. Es war der erste Saisonsieg der Berliner, die die drei Spiele davor in der heimischen Liga verloren haben. Da darf man spekulieren. Von typisch deutschen Tugenden, über die lange Anreise, bis hin zu Glück/Unglück und mentaler Schwäche der Steirer wurde alles als mögliche Ursache heran gezogen. Vermutlich ist es eine Mischung daraus, wobei sie 2011 nach der Pause noch eindeutig outcoached wurden. Was in dem Fall nicht der Fall sein kann, gewannen sie das dritte Quarter noch 7:0. Erst danach ging es, dafür umso steiler, bergab. Da kommen ihnen die Rangers gerade recht, um nochmal Selbstvertrauen zu tanken. Das Heimrecht im Semifinale der AFL ist der Papierform nach für sie noch möglich, realistisch ist das nicht mehr. Das wird an die Herren der Vikings und Raiders gehen und man muss gar kein großer Prophet sein, um vorherzusehen, dass die Semifinalpaarungen der AFL 2013 gleich lauten werden wie die der Saison 2012.

Das letzte europäische Viertelfinale, das einzige ohne heimischer Beteiligung, ging an den Titelverteidiger Calanda Broncos, der den deutschen Meister Schwäbisch Hall Unicorns 42:28 bezwang. Die Schweizer sind, mit 16 Legionären im Kader, noch immer bärenstark, wenn auch nicht mehr so dominant wie 2012. Die meisterlichen Schwaben gehen nämlich personell am Zahnfleisch spazieren, mussten sich in der deutschen Liga Rothenburg und Marburg geschlagen geben und Calanda war am vergangenen Wochenende einer Niederlage in der Schweizer Meisterschaft nahe, was einer riesigen Sensation gleichgekommen wäre. Heute verkündeten die Graubündner, dass sie sich von ihrem langjährigen Sportchef getrennt haben. Gründe geben sie dafür keine an. Möglich sind monetäre Umstände, kündigten die Churer vor der Saison einen Sparkurs an. Auch Cheftrainer Geoff Buffum verließ die Broncos nach dem Double von 2012 Richtung Norwegen.

Mission Europameister, wieder einmal

Am zweiten Schauplatz - dem Nationalteam - hat sich einiges getan. Die EFAF hat die EM 2014 (30. Mai bis 7. Juni) nun offiziell nach Österreich vergeben. Hoffen durfte man das ja schon zuvor, durch den Zwist zwischen der EFAF und dem Weltverband IFAF, jener mit der IFAF Europe eine eigene Europa-Kommission gründete, hat sich das in die Länge gezogen. Nun ist es aber fix. Die Vorrunde wird in der Grazer UPC-Arena und in der NV-Arena St. Pölten über die Bühne gehen, der Finaltag im Wiener Ernst Happel-Stadion. Neben dem Gastgeber Österreich, welcher in Graz in einer Gruppe mit Frankreich und dem Gewinner der B-EM (August 2013) spielen wird, ist Titelverteidiger Deutschland, so wie Schweden und Finnland in Niederösterreichs Landeshauptstadt zu Gast. Geplant war das ursprünglich wo anders, nämlich in Salzburg. Einen Finanzskandal und eine Landtagswahl später zog der Tross gen Osten. Der Aufsteiger aus dem B-Pool wird wohl weder in Frankreich noch in Österreich für Angst und Schrecken sorgen, untereinander sieht das anders aus. Wir erinnern uns: 2011 hatte Österreich bei der WM das Spiel um Platz 5 und damit gegen Deutschland am Finaltag im Visier, was dann Frankreich „für uns" absolvierte. Eine weitere Fehleinschätzung des französischen Footballs, konkret der Nationalmannschaft, denn die Klubs sind wirklich mau, sollte tunlichst unterlassen werden, wenn man am 7. Juni im Finale stehen will. Und das ist das erklärte Ziel nach Bronze 2010 in Deutschland. Wir sind also wieder mal offiziell auf Mission. Mit einer Enttäuschung als Erfahrung reicher.

Apropos IFAF Europe. Von der hat man seit ihrer Entstehung wenig bis nichts mehr gehört. Zumindest hatte ihr Leben am Papier einen positiven Nebeneffekt, wenn auch wohl nicht den gewollten: Der EFAF-Präsident Robert Huber nahm das zu Anlass, um, neben Grabenkämpfen vor und hinter Sportgerichtshöfen und so mancher Theaterreifen Wortspende, auch Nägel mit Köpfen zu machen, Bewerbe auszuschreiben und sie auch zu vergeben. Damit ist der europäische Fisch frisch geputzt. Huber sagt, die IFAF Europe habe sich damit für ihn erledigt. Bislang hörte ich niemanden mehr widersprechen. Was nichts heißen mag.

Junioren als Titelverteidiger

Vor den Herren 2014 sind aber noch die Junioren an der Reihe. Die geplante EM 2013 wird nicht im russischen Tscheljabnisk gespielt - offiziell wegen des Meteoriteneinschlags. Die Kurzfassung in Form einer einer End-Endrunde mit vier Mannschaften passiert nun in Köln und Düsseldorf. Das „Team Future", wie der Verband seine Juniorenmannschaft taufte, absolvierte vergangenen Sonntag ein Testspiel gegen die KOC Stallions - ein türkisches Herrenteam mit durchaus massiver serbischer und amerikanischer Unterstützung. Mit ihnen reiste auch ein gewisser William Norwood an, der schon mal ein Trainingscamp der Minnesota Vikings von innen sah und bei seiner Ankunft sich die Augen rieb, als er die „Kids" am Feld beim Warmup sah. Das sind unsere Gegner? Mr. Norwood, dem es dann plötzlich im Oberschenkel arg zwickte und in Hälfte zwei nur mehr als Stimmgabel zur Verfügung stand, der US-Quarterback Jordan Green und seine Sportskollegen aus Belgrad und Istanbul wurden mit einem 50:6 vom Spielplatz vertrieben und ihrem Trainer John Harper gefiel das sogar. Endlich wüssten seine Männer, wo in Europa der Hammer hängt. Sie sind von einer Juniorenmannschaft verhauen worden, sagte er mit einem Lächeln im Gesicht. Österreich sei das Maß der Dinge. Sein Wort in der Footballgötter Ohren, denn die Juniors haben einen EM-Titel zu verteidigen. Erster Gegner wird Deutschland sein. Eine Medaille (ein Sieg aus zwei Spielen) wird zumindest erwartet, der erneute Titelgewinn ist der Wunsch.

Nach der EFAF EJC 2013, wie sie offiziell heisst, wird es mal zurück an den Start gehen. Seit Ende der WM 2011 gibt es nämlich kein heimisches Nationalteam mehr. Weder einen Kader, noch einen Trainerstab. Das Team wird sich wohl in wesentlichen Teilen aus den Junioren-Europameistern des Jahres 2011 und dem „Best Of" der WM 2011 zusammen setzen. Aktuelle Junioren könnten ebenso dazu stoßen, wie Spieler, die sich in den letzten Jahren besonders hervor getan haben. Selbiges gilt für den Trainerstab, der nach der WM  demissioniert wurde. Die Kandidatenliste ist hier ebenso lang und reicht vom aktuellen Trainerstab der Junioren über AFL-Coaches bis hin zu einer externen Lösung. Eine Entscheidung darüber wird im Herbst 2013 erwartet. Österreich wird wohl in jedem Fall vernünftig aufgestellt sein. (Walter Reiterer, derStandard.at, 6.6.2013)

Die Spieltermine der kommenden zwei Wochen:

AFL Woche 9

Prague Black Panthers vs. Raiffeisen Vikings Vienna
Samstag 8. Juni 2013 15:00 Uhr, Slavia Stadion Prag

Danube Dragons vs. Swarco Raiders Tirol
Samstag 8. Juni 2013 17:00 Uhr, Stadion Stadlau Wien

AFC Rangers Mödling vs. JCL Giants Graz
Samstag 8. Juni 2013 17:00 Uhr, Stadion Mödling

Tabelle und Spielplan
Statistiken

EFL Halbfinalspiele:

Raiffeisen Vikings Vienna vs. Berlin Adler
Sonntag 16. Juni 2013 15:00, Stadion Hohe Warte Wien

Swarco Raiders Tirol vs. Calanda Broncos
Sonntag 16. Juni 2013 14:15, Tivoli Stadion Innsbruck

 

  • Knister-Potential Light: Die Raiders spielen am Samstag in Stadlau bei den Dragons. Spannung wird erhofft, nicht aber erwartet.
    foto: schellhorn

    Knister-Potential Light: Die Raiders spielen am Samstag in Stadlau bei den Dragons. Spannung wird erhofft, nicht aber erwartet.

  • Simmering gegen Minnesota. William Norwood verirrt sich im Unterholz des Junioren-Nationalteams.
    foto: herbert kratky/photokratky.com

    Simmering gegen Minnesota. William Norwood verirrt sich im Unterholz des Junioren-Nationalteams.

  • Weil das Motiv zählt: Ein Schulsportnachmittag wie aus dem Bilderbuch, sagt Organisator Daniel Dieplinger. Auch das ist Football in Österreich 2013: Die Eat the Ball ASKÖ Schoolbowl Tirol. 
Link: spielflagfootball.at
    foto: schellhorn

    Weil das Motiv zählt: Ein Schulsportnachmittag wie aus dem Bilderbuch, sagt Organisator Daniel Dieplinger. Auch das ist Football in Österreich 2013: Die Eat the Ball ASKÖ Schoolbowl Tirol.

    Link: spielflagfootball.at

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