Gentleman und Besserwisser

6. Juni 2013, 21:21
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Britische Topsetzung für das Drama einer unglücklichen Ehe vor dem Ersten Weltkrieg

Die Voraussetzungen für eine glückliche Ehe waren von Anfang an nicht die besten. Zum Zeitpunkt der Hochzeit ist Sylvia Satterthwaite schwanger - vermutlich von einem anderen. Weil man sich aber nie ganz sicher sein kann und Christopher Tietjens ein echter Gentleman ist, nahm er Sylvia zur Frau. Für Herzenswärme ist in diesem Bündnis eher kein Platz, dabei hätte genau das die Gattin bitter nötig. Doch was macht der Gemahl? "Er korrigiert die Encyclopaedia Britannica!" Derlei Besserwisserei erzeugt in einer rassigen Schönheit Hass: "Brächte ich ihn um, würde mich kein Gericht der Welt verurteilen!" Scheidung? Niemals, der Gatte ist Ehrenmann: "Nur ein gemeiner Schuft täte seiner Frau so etwas an."

Wie es ist, wenn dem Lebensglück die eigenen Prinzipien andauernd in die Quere kommen, müssen die Mitglieder der ehrenwerten Familie Tietjens in der britisch-amerikanischen Dramaserie "Parade's End" erfahren. Tom Stoppard schuf nach Ford Madox Ford ein dichtes Beziehungsgeflecht im Großbritannien kurz vor und während des Ersten Weltkriegs.

Mit Rebecca Hall, Benedict Cumberbatch und Valentine Wannop bietet Parade's End vor allem großes Schauspiel und ein Fest fürs Auge. An den Kostümen, die sich auf englischem Rasen, Kies und Steinfliesen tummeln, kann man sich nicht satt genug sehen. Wie jede gute Serie jongliert auch Parade's End mit Brüchen: Die industrielle Revolution bringt Frauenbewegung und Gewerkschaften hervor, just eine Sufragette wirbelt die eingerosteten Herrschaftsverhältnisse durcheinander und sorgt dafür, dass es in diesem Dreieck garantiert nicht langweilig wird. Sechs Folgen, Arte zeigt drei heute, Freitag, ab 20.15 Uhr. (Doris Priesching, DER STANDARD, 7.6.2013)

  • Rebecca Hall und Benedict Cumberbatch: "Parade's End".
    foto: arte

    Rebecca Hall und Benedict Cumberbatch: "Parade's End".

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