"Das berührt uns nicht, und so soll es bleiben"

6. Juni 2013, 18:32
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Israel erhöht seine Wachsamkeit, geht dem syrischen Konflikt aber nach wie vor aus dem Weg

Die innersyrischen Kämpfe um das Bravo-Gate bewogen die Israelis zu zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen: Auf Anordnung der Armee wurde ein Abschnitt der Straße Nr. 98 - sie verläuft nahe der zerstörten syrischen Stadt Kuneitra knapp innerhalb des von Israel kontrollierten Territoriums – für Zivilisten gesperrt, die Arbeiten auf den Feldern und Plantagen wurden einge­stellt. Militärfahrzeuge sollen nä­her an die Waffenstillstandslinie herangerückt worden sein.

Von vornherein ging man aber davon aus, dass der Zwischenfall binnen weniger Stunden beendet sein würde. Die Israelis hatten nicht die Absicht, das Feuer zu erwidern, nachdem - offenbar irrtümlich - mindestens ein Geschoß auch in Richtung Israel geflogen war. Im UN-Camp Ziouani, auf der israelischen Seite gelegen, wurden dadurch nach inoffiziellen Informationen ein indischer und ein philippinischer Undof-Soldat sehr leicht verletzt.

Die Detonationen und Rauchschwaden von den Kämpfen zwischen Assad-Truppen und Re­bellen waren auf der israelischen Seite deutlich wahrzunehmen. Augenzeugen berichteten auch von syrischen Panzern in der Pufferzone. "Ich erinnere daran, dass das Kämpfe zwischen Syrern und Syrern sind, das berührt uns nicht, und so soll es bleiben", sagte Eli Malka, Vorsitzender des Rats der Golan-Siedler, gelassen im israelischen Radio. "Wir werden zur Routine zurückkehren und bereiten uns auf den Sabbat, die Kirschenernte und den Empfang der Touristen vor."

Zwischenfall mit Granate

Hart an der westlichen Demarkationslinie (Alpha-Linie) hat Israel ein Feldspital eingerichtet, in dem auch Syrer behandelt werden. Donnerstag früh kam es zu ­ei­nem Vorfall, nachdem zwei schwerverletzte Syrer ins Krankenhaus des israelischen Städtchens Zfat weitertransportiert worden waren: Bei einem wurde eine scharfe Handgranate entdeckt, der Behandlungsraum wurde evakuiert. Wegen des Einsatzes von Panzern in der eigentlich entmilitarisierten Zone legte Israel bei der Uno Beschwerde ein. Der Waffenstillstand wird aber schon seit mehr als einem Jahr durch die Anwesenheit von Kämpfern und Waffen der syrischen Bürgerkriegsparteien permanent verletzt.

Die Versorgung der UN-Soldaten und die Truppenrotation erfolgen schon seit einiger Zeit über Israel, weil das syrische Gelände zu gefährlich geworden ist.

Das Alpha-Gate, der Übergang von der israelisch kontrollierten Seite in die Pufferzone, wurde von den Kämpfen nicht direkt berührt. Es hieß, es hätte "Alternativen" für die Versorgung der Blauhelme geben, wenn das Bravo-Gate tatsächlich von den Rebellen blockiert worden wäre. (Ben Segenreich, DER STANDARD, 7.6.2013)

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    Einsatzbereit: ein israelischer Panzer auf dem Golan.

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