Bestseller-Autor Tom Sharpe 85-jährig gestorben

6. Juni 2013, 14:18
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Der Brite wurde mit satirischen Serie über den Anti-Helden Henry Wilt berühmt

Madrid - Der in Spanien lebende britische Bestseller-Autor Tom Sharpe, bekannt für seine bissigen Gesellschaftssatiren, ist am Donnerstag im Alter von 85 Jahren an Komplikation wegen einer Diabetes-Erkrankung gestorben, teilte sein spanischer Verlag Anagrama  mit. Der Schöpfer des bekannten Anti-Helden Henry Wilt lebte seit Ende der 1980er in Llafranc in Katalonien. Bekannt wurde Tom Sharpe mit seinem ersten Roman der "Wilt"-Serie 1976 über einen armseligen Berufsschullehrer.

Sharpe wurde am 30. März 1928 als Sohn einer Südafrikanerin und eines britischen Pfarrers in London geboren. Er griff früh zur Feder und schrieb vor allem Poesie. Nach seinem Dienst als Marinesoldat studierte er Literatur und deutsche Geschichte in Cambridge. Danach ging er als Sozialarbeiter, Lehrer und Fotograf nach Südafrika, wo er mehrere erfolglose politische Theaterstücke schrieb. 1961 wurde er wegen seiner Kritik an der Apartheid ausgewiesen und ging zurück nach England.

Den Rassismus, den er in Südafrika beobachten musste, hat er in seinem ersten Roman "Tohuwabohu" (1971) verarbeitet. Darin nahm er die weiße Arroganz und autoritäre Brutalität gegenüber Schwarzen aufs Korn. Das Buch wurde ein Erfolg, wie auch "Mohrenwäsche" (1973). Die Satire hatte ihn gefunden. Wenig später schuf er den ersten Roman mit seiner wohl wichtigsten literarischen Figur: Dem Berufsschullehrer Henry Wilt.

Zum ersten Mal tauchte der Mann, der "schlecht im Bett ist und das Gehirn eines Grashüpfers hat", in "Puppenmord" (1976) auf. 2010 hatte Wilt in "Henry haut ab" zum sechsten Mal mit dem Leben zu hadern. Wilt, dem Anti-Helden, machen seine Frau, Kollegen und Schüler das Leben zur Hölle, dauernd gerät er in peinliche Verwicklungen. Vielleicht genau deswegen sind die Bücher so erfolgreich.

Doch nicht nur Durchschnittsmenschen wie Wilt bekamen Sharpes Sarkasmus zu spüren, sondern auch die feine und dünkelhafte englische Gesellschaft. In seinen Romanen skizzierte der Autor menschliche Schwächen, Träume und Perversionen überschwänglich und grotesk. Die Grenzen des guten Geschmacks überschritt er ständig. Dass das nicht allen gefällt, war ihm bewusst. Er wisse, wie schlecht einige seiner Witze seien, sagte er einmal. Doch er lasse sie stehen, weil er wisse, dass sie auch manche Leser mögen werden.  (APA, 6.6.2013)

 

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    Tom Sharpe 2009 bei der Präsentation seines Romans 'The Gropes' in Barcelona.

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