SPÖ-Gewerkschafter sind über ÖVP-Vorschlag zu Lehrerdienstrecht entsetzt

6. Juni 2013, 10:35
544 Postings

Schilcher: ÖVP-Vorschlag ist Rückschritt - Rote Gewerkschafter warnen vor "Fortschreibung der Zweiklassengesellschaft unter Lehrern"

Die roten Lehrergewerkschafter sind entsetzt, Bildungsexperte Bernhard Schilcher spricht von einem Rückschritt. Der Vorschlag der ÖVP, doch kein einheitliches Dienstrecht für alle Lehrer einzuführen, sorgt für Kritik. Der Vorsitzende der Pflichtschullehrer in der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter, Thomas Bulant, kann nicht verstehen, dass die ÖVP die Zweiklassengesellschaft unter Lehrern fortschreiben wolle.

Gemeinsame Ausbildung

Derzeit gelten für Pflichtschullehrer und AHS-Lehrer unterschiedliche Dienstrechte. "Pflichtschullehrer haben die höchste Lehrverpflichtung und verdienen am wenigsten", sagt Bulant im Gespräch mit derStandard.at. Bisher seien die unterschiedlichen Gehälter damit argumentiert worden, dass Pflichtschullehrer an den Pädagogischen Hochschulen keine vollakademische Ausbildung erhalten. "Durch die neue Lehrerausbildung werden die Lehrer an den Pädagogischen Hochschulen gleichwertig ausgebildet, mir ist unerklärlich, warum die Besoldung weiterhin unterschiedlich sein soll." Die Pflichtschullehrergewerkschafter der FSG sagten in einer Presseaussendung am Donnerstag, dass sie über den Vorschlag der ÖVP entsetzt seien.

Rückschritt in ständische Ordnung

Bildungsexperte Schilcher bezeichnete den Vorschlag der ÖVP im Ö1-"Morgenjournal" als Fehler. "Es gibt keinen Grund, warum eine Kindergärtnerin, die ja leider von vornherein ausgeschlossen wurde, anders behandelt werden sollte als ein AHS-Professor." Die Idee, dass es für Lehrer an unterschiedlichen Schultypen ein eigenes Dienstrecht geben soll, hält Schilcher für einen Rückschritt, "nämlich in die Zeit ständischer Ordnung".

Dass die ÖVP in ihrem Vorschlag von einer Stundenverpflichtung für Lehrer absieht und stattdessen ein Anwesenheitsmodell vorschlägt, hält Schilcher für richtig. Möglich sei das aber nur, wenn die Lehrer täglich acht Stunden anwesend sein.

Bulant: Leistung ist gleich viel wert

Die Politik habe immer wieder betont, dass die Elementarpädagogik und die Primarstufe zu den wichtigsten Stufen in der Bildungskarriere gehören, erklärt Gewerkschafter Bulant. "Ich hoffe, das waren keine Sonntagsreden." Die Leistung eines Lehrers, der Sechsjährigen das Lesen beibringe, sei gleich viel wert wie die von jenem, der 15-Jährige eine Fremdsprache lehre.

Dass seine Parteikollegin, Unterrichtsministerin Claudia Schmied, den Vorschlag nicht sofort abgelehnt hat, erklärt sich Bulant damit, dass die ÖVP der Koalitionspartner ist. "Ich bin überzeugt, dass sie verwundert darüber war, dass Finanzministerin Maria Fekter, die selbst im Verhandlungsteam sitzt, plötzlich einen neuen Vorschlag präsentiert." So einen Vorschlag könne man immerhin nicht in einer Stunde entwickeln, sondern er müsse von langer Hand geplant werden.

Grüne: "Die ÖVP wollte das nie"

Auch die Grünen kritisierten in einer Presseaussendung am Mittwoch die Abkehr der ÖVP von der Regierungslinie. Ein gemeinsames Dienstrecht sei ein wichtiger Schritt in Richtung gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen, sagt Bildungssprecher Harald Walser im Gespräch mit derStandard.at. "Die ÖVP wollte das nie", so Walser. Dass die SPÖ den Vorschlag nicht abgelehnt hat und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ihn sogar als interessant bezeichnet habe, erklärt sich Walser damit, dass die Regierung kurz vor Ende der Legislaturperiode "noch irgendetwas auf die Beine stellen will". (lis, derStandard.at, 6.6.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Modelle für das Lehrerdienstrecht im Vergleich.

Share if you care.