Immer mehr Kinder leiden unter Rückenschmerzen

6. Juni 2013, 08:55
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Studien deuten darauf hin, dass Leistungssport und Bewegungsmangel das Rückenschmerz-Risiko fördern

 

Istanbul - Immer mehr Kinder und Jugendlichen leiden unter Rückenschmerzen. Darauf weisen aktuelle Studien hin. Die Häufigkeit der Beschwerden nimmt mit dem Alter zu, und wer schon in Kindheit und Jugend Rückenschmerzen erlebt, hat eine erhöhtes Risiko, das Leiden auch als Erwachsener zu haben, berichteten Experten auf dem EFORT Kongress in Istanbul. Die Ursachen sind noch weitgehend unklar.

"Es ist noch nicht ganz klar, ob eine tatsächliche Zunahme der Beschwerden, oder in erster Linie ein verstärktes Bewusstsein für das Problem vorliegt", sagte Teija Lund, Orthopäde in Helsinki, und ergänzt: "In jedem Fall ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten das wissenschaftliche Interesse am kindlichen Rückenschmerz enorm gestiegen."

Noch in den 1980er Jahren war eine weit verbreitete Lehrmeinung, dass Rückenschmerz bei Kindern und Jugendlichen nur als Folge einer schwerwiegenden Erkrankung auftreten würde. Epidemiologische Studien weisen inzwischen allerdings darauf hin, dass Rückenschmerzen in dieser Altersgruppe ein weit verbreitetes Phänomen sind, mit Prävalenzraten von bis zu 60 Prozent. Mädchen haben ein höheres Risiko, an Rückenschmerzen zu leiden, als männliche Jugendliche.

Lebensstilfaktoren

Was die Erforschung der Ursachen betrifft, so liefert die Wissenschaft noch widersprüchliche Ergebnisse. Eine Reihe von Studien hat den Einfluss von Lebensstil-Faktoren untersucht, unter anderem Übergewicht, Rauchen, körperliche Aktivität und die Zeit, die vor dem Bildschirm verbracht wird. "Bisher lassen sich daraus aber noch keine klaren Schlussfolgerungen ziehen", sagt Lund.

Es gibt Hinweise, dass auch sportliche Betätigung als Strategie gegen den Rückenschmerz, differenziert zu betrachten ist. "Bisherige Studien deuten darauf hin, dass sowohl ein bewegungsarmer Lebensstil als auch Leistungssport das Rückenschmerz-Risiko fördern", so der Orthopäde. Allerdings handle es sich vorwiegend um Querschnitt- und nicht Langzeitstudien, die nur Zusammenhänge, aber noch keine Kausalität etablieren können.

"Frühe Prävention von Rückenschmerzen höchste Priorität haben," resümiert Lund. Es seien mehr Langzeitstudien erforderlich, um zuverlässig Risikofaktoren für Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen identifizieren und entsprechende Präventionsempfehlungen entwickeln zu können. (red, derStandard.at, 6.6.2013)

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