Vorarlberg lockt Spitalsärzte mit mehr Geld

5. Juni 2013, 18:55
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Grüne und SP gegen Gehaltsreform, weil Pflegepersonal nicht berücksichtigt wurde

Bregenz - "Wanted" steht auf Plakaten im Westernstil, mit denen Vorarlberger Krankenhäuser vor Medizin-Unis um ärztliches Personal werben. Denn im Westen herrscht eklatanter Mangel an Ärztinnen und Ärzten. Sie wandern ins benachbarte Ausland ab oder kommen erst gar nicht ins ländliche Vorarlberg. Nun versucht die Landesregierung mit Geld gegen den Ärztemangel anzukämpfen. Ab 2014 werden 13,5 Millionen Euro jährlich zusätzlich für Gesundheitspersonal ausgegeben. Die Gehaltsreform wurde am Mittwoch im Landtag mit den Stimmen von Volkspartei und Freiheitlichen beschlossen. Auf dem Konto sichtbar wird die Reform für die Ärzte ab 1. Juli.

SP und Grüne kritisierten heftig, dass vom neuen Gehaltsschema nur Ärzte profitieren, das pflegende und administrative Personal käme nicht in den Genuss höherer Gehälter. Damit sei mittelfristig Pflegenotstand programmiert, kritisierten die Grünen.

Die Reform wirkt sich vor allem auf Berufseinsteiger aus. Turnusärzte und -ärztinnen bekommen ab 2014 pro Jahr 22 Prozent mehr, in Summe 47.800 Euro brutto. Die Gehaltskurve flacht mit den Dienstjahren ab. Für Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (VP) ist das neue Gehaltsschema "Grundlage für die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems". Man habe versucht, allen Berufsgruppen gerecht zu werden, "so gut es gegangen ist".

Man investiere in Ärzte 1000 Euro pro Monat zusätzlich, in die Pflege null, kritisierte Johannes Rauch, Klubobmann der Grünen: "Das ist schlicht ungerecht." Seine Fraktionskollegin Katharina Wiesflecker warf der Landesregierung "Lohndumping" vor. Man erhöhe die Pflegegehälter in Spitälern nicht, weil man damit die Ausgaben für Langzeitpflege niedrig halten wolle. SP-Klubobmann Michael Ritsch vermutete: "Das kann man nur machen, weil in der Pflege 80 Prozent Frauen arbeiten. Wäre das Verhältnis umgekehrt, hätten wir längst bessere Gehälter."

Die Volkspartei provoziere damit, dass sich die Situation in den nächsten Jahren beim Pflegepersonal darstelle wie heute bei den Ärzten, kritisierte SP-Gesundheitssprecherin Gabi Sprickler-Falschlunger. "Die Ärzte bekommen die großen Stücke des Kuchens, die anderen die Brösel", sagte die Ärztin. Landeshauptmann Markus Wallner (VP) reagierte erbost. Die Opposition beginne nach zwei Jahren Diskussion wieder von vorne. Ihre Argumente seien "einfältig" und "alternativer Schmarra". (Jutta Berger, DER STANDARD, 6.6.2013)

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