Euro-Erweiterung: Lettlands Belohnung

Kommentar5. Juni 2013, 18:27
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Lettland ist nicht gerade von der Wirtschaftskraft her imposant, sondern wegen seines wirtschaftspolitischen Kurses

Die Eurozone feiert schon bald ihr 18. Mitglied. Klein, aber fein, könnte man sagen: Lettland ist nicht gerade von der Wirtschaftskraft her imposant, sondern wegen seines wirtschaftspolitischen Kurses. Der - aus Brüsseler und Währungsfonds-Sicht - gelungene Weg aus der Krise wurde prompt zum Vorbild für Eurokrisenländer erhoben. Das Rezept: Staatsausgaben und Löhne runter, Defizit senken, Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Weniger gern hört man in Brüssel, dass gerade viele junge Menschen wegen der Tristesse im eigenen Land emigriert sind.

Klar ist, dass Lettland ein weit tieferes Tal der Tränen durchschritten hat als Griechenland oder Spanien - und dass die Rosskur zumindest zarte Früchte trägt. Nun kommt die Belohnung durch die EU. Es wäre ja grotesk, wenn das Vorzeigeland makroökonomischer Schocktherapie im Warteraum der Währungsunion sitzen bleiben müsste. Und was kann der angeschlagenen Eurozone willkommener sein als ein Neuzugang? Lettland hat für die Zone Symbolkraft, die da heißt: Es gibt uns noch. Wir sind so attraktiv, dass uns weitere Mitglieder beitreten wollen.

Viel hängt nun davon ab, wie nachhaltig die Verbesserung der lettischen Kennzahlen sein wird. Griechenland und Zypern haben gezeigt, dass kein Euroland zu klein ist, um die ganze Zone an den Abgrund zu drängen. Umso wichtiger ist, dass neben Budgetdefiziten künftig auch volkswirtschaftliche Ungleichgewichte geahndet werden. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 6.6.2013)

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