Spanien bittet Touristen zur Kasse

6. Juni 2013, 05:30
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Trotz E-Card und europäischer Krankenversicherung müssen Urlauber in Spanien immer öfter medizinische Behandlungen privat bezahlen. Jetzt reicht es der EU-Kommission, sie eröffnet ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien

Wer nach dem Kontakt mit Quallen, Seeigeln oder anderen Wehwehchen ein Spital in Spaniens Tourismus-Hotspots aufsucht, sollte sich nicht auf seine Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK) verlassen, die sich auf der Rückseite der E-Card befindet. Zuletzt mehrten sich Beschwerden von Reisenden aus EU-Staaten, deren EKVK nicht akzeptiert wurde, mahnt die EU-Kommission.

Stattdessen wurden in vielen Fällen eine private Versicherung und die Kreditkartendaten verlangt. Dabei geht es nicht um Selbstbehalte, wie sie in vielen EU-Staaten üblich sind, sondern um Behandlungskosten. Dabei hätte mit der EKVK jeder EU-Bürger in jedem EU-Staat Anrecht auf Behandlung - zu denselben Konditionen wie Einwohner. Abgerechnet wird von den Mitgliedsstaaten jährlich. Gelder, die nach Spanien zurückfließen, werden je nach Urlauberaufkommen unter den Regionen aufgeteilt.

Zwei Monate Zeit für Spanien

Seit 2010 hatte Brüssel Madrid mehrfach aufgefordert, die Problematik zu lösen. Rügen reichten nicht aus, so eröffnete man ein Sanktionsverfahren wegen Vertragsverletzung. Zwei Monate hat Spanien nun Zeit, sonst wird der Europäische Gerichtshof aktiv. Konkrete Beschwerden gab es über das Costa-del-Sol-Krankenhaus Málagas und das Can Misses auf Ibiza. Letzteres verlangte von einem Engländer wegen einer Notoperation 24.600 Euro.

Beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger heißt es, wer in Spanien eine Krankenhausrechnung bezahle, könne um Rückerstattung ansuchen. Man bekomme jedoch maximal 80 Prozent refundiert.

500.000 Touristen brauchen jährlich Behandlung

Den Vorwurf der Budgetsanierung via Touristen (knapp 500.000 Spanien-Besucher brauchen jährlich medizinische Behandlung) will Madrid nicht gelten lassen. Beklagt doch die Regierung unter Premier Mariano Rajoy lautstark den grassierenden Gesundheitstourismus von EU-Bürgern, der angeblich mit einer Milliarde Euro jährlich zu Buche schlage.

Spaniens Gesundheitsministerium entgegnete, dass der EU-Kommission lediglich 18 Beschwerden vorliegen würden, von denen in der Mehrzahl die Kosten von privaten Versicherungsträgern übernommen worden seien.

Der andalusische Sozialversicherungsträger SAS ist dagegen um Schadensbegrenzung bemüht: Ein Sprecher versicherte, dass in allen Fällen von touristischen Erkrankungen fortan die EKVK akzeptiert werde. (Jan Marot, DER STANDARD, 6.6.2013)

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    Vorsicht im Spanien-UIrlaub: die E-Card reicht nicht immer

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