Schwarzes Schaf wird Ikea-Chef

Kopf des Tages5. Juni 2013, 18:29
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Mathias Kamprad folgt dem 87-jährigen Ingvar als Ikea-Chef

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad will kürzertreten. Nach einer unklaren Rücktrittsankündigung des 87-Jährigen übergibt der reichste Mann Europas nun anscheinend das Zepter des weltgrößten Möbelhauses scheibchenweise an seinen jüngsten Sohn, den 44-jährigen Mathias Kamprad.

"Es ist ein guter Zeitpunkt für mich, den Aufsichtsrat der Inter Ikea Group zu verlassen. Damit machen wir einen weiteren Schritt Richtung Generationswechsel", enthüllte Kamprad am Mittwoch in der schwedischen Wirtschaftszeitung DI. Allerdings behält er weiterhin wichtige Posten im stark verzweigten und wenig transparenten Familienunternehmen, um ein Auge auf den Sohn und dessen Brüder zu behalten.

All drei Söhne, Peter (49), Jonas (47) und Mathias (44), sind seit vielen Jahren in führenden Positionen des Konzerns tätig. Genauso wie der Vater hatte Mathias Kamprad Alkoholprobleme. Im Gegensatz zu seinem alten Herrn jedoch nur in jungen Jahren, heißt es in der schwedischen Presse.

Das anfängliche schwarze Schaf des Klans galt deshalb lange als Außenseiter. In über 20 Jahren Tätigkeit bei Ikea hat Mathias Kamprad sich jedoch mit klugen Entscheidungen zum Favoriten für die Konzernführung gemausert. Der ehemalige Ikea-Manager Johan Stenebo schrieb 2009 in seinem Enthüllungsbuch Die Wahrheit über Ikea, dass alle drei Söhne "völlig untauglich" für die Konzernführung seien und Ingvar Kamprad mit deren Ernennung zur neuen Unternehmensführung den gesamten Konzern ins Chaos stürze. Der älteste Sohn Peter sei ein "offener Rassist" und zu "dumm", um den Konzern zu leiten.

Auch für Mathias Kamprad hatte der frühere Manager keine netten Worte übrig. Der sei noch immer das schwarze Schaf der Familie. "Mathias lebt ein Junggesellenleben, wo Alkohol, späte Nächte und galante Damen zum Alltag gehören. Erst vor kurzem schlug er eine Bar in Kopenhagen eigenhändig zusammen", schreibt Stenebo. "Vom Charakter her ist Mathias giftig und selbstherrscherisch, wenn jemand ihm gegenüber Einwände hat", so Stenebo. Letzterem werfen seine Gegner vor, er sei enttäuscht, weil er sich nach einem ganzen Leben im Dienst von Ingvar Kamprad übergangen gefühlt habe. Der hatte stets junge Männer direkt in seinem Konzern von ganz unten bis nach ganz oben aufsteigen lassen, statt sich aus dem Angebot extern zu rekrutierender Führungskräfte zu bedienen. (André Anwar, DER STANDARD, 6.6.2013)

 

  • Mathias Kamprad
    foto: ikea

    Mathias Kamprad

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