Die Art von Stadt, die Wien sein will

    6. Juni 2013, 10:11
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    Dem Stadtentwicklungsplan 2025 wird ein "Leitbild" vorangestellt, das für Vizebürgermeisterin Vassilakou die "Haltung der Stadt" darstellen soll

    Alle zehn Jahre passt die Stadt Wien ihren Stadtentwicklungsplan, kurz STEP genannt, an künftige Gegebenheiten und Bedürfnisse an. In zwei Jahren wäre es wieder soweit – allerdings werden nun an Umfang und Perspektive des künftigen STEP ein paar Änderungen vorgenommen: Schon heuer sollte der ebenfalls regelmäßig überarbeitete "Masterplan Verkehr" neu erstellt werden, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) entschied aber, die beiden Strategiepapiere im nächsten STEP zu vereinen. Und weil man generell im STEP nun auch dessen "Perspektive" abbilden will, wird er im Titel nicht das Jahr seiner Beschlussfassung tragen, sondern anzeigen, wie weit man damit in die Zukunft blicken will: nämlich bis ins Jahr 2025.

    Leitbild für Stadtentwicklung

    Wien wird dann einen großen Schritt hin zur Zwei-Millionen-Metropole gemacht haben, darauf deuten sämtliche Prognosen hin. Mit welchen "Zielen und Haltungen" die Stadtpolitik aber den Weg dorthin beschreiten will, das soll das nun erstellte "Leitbild" namens "STEP 2025 – Thesen, Visionen, Orientierungen" festlegen (siehe Download). Es wurde in den letzten Monaten erarbeitet, ist mit Koalitionspartner SPÖ akkordiert und werde dem nächsten Stadtentwicklungsplan vorangestellt werden, erklärt Vassilakou im Gespräch mit derStandard.at.

    Das Leitbild umfasst vier Seiten und ist dementsprechend vage gehalten. Wien wird darin unter anderem als "lebenswerte", als "lernende" und als "sozial gerechte" Stadt bezeichnet, in der die städtische Infrastruktur "hohe Qualitätsstandards" aufweise und die mit Ressourcen "sparsam" umgehe. "Eine Stadt, die gut ist für Kinder, ist für alle Generationen gut und befähigt, glücklich zu sein", heißt es darin weiters.

    Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie seien ein "Mehrwert für die Stadtentwicklung" und sollen deshalb in allen Stadtentwicklungsgebieten forciert werden – auch mit "künftigen BewohnerInnen". Mittels welcher "partizipativen Prozesse" und Methoden das konkret funktionieren kann, lässt Vassilakou gerade erarbeiten.

    Grünräume von Beginn an mitplanen

    Ein besonderes Anliegen ist der Vizebürgermeisterin eine neue Herangehensweise, was die Planung von Grünräumen betrifft. "Früher konzentrierte man sich auf die Bauten, und das, was übrig blieb, also die 'Resträume', wurden dann zu Freiräumen erklärt." Künftig soll Freiraumplanung ganz am Beginn stehen, "und erst unter dem Gesichtspunkt der Qualität der Freiräume die Bebauung angegangen werden".

    Die Frage, die über allem stehe, laute: "Welche Art von Stadt wollen wir sein?", so Vassilakou. Gleichzeitig soll das Leitbild und der darauf aufbauende Diskussionsprozess über den STEP 2025 verhindern, dass "so etwas wie TownTown noch einmal passiert". Monothematische Viertel wie die Bürostadt in Wien-Erdberg sind bekanntlich nicht nur der Vizebürgermeisterin, sondern auch ihrem Parteikollegen und Planungssprecher Christoph Chorherr ein Dorn im Auge. Dessen Vision, eingeschoßige Gewerbeobjekte am Stadtrand, wie etwa in Auhof oder Stadlau, mit Wohnungen aufzustocken, teilt sie aber nur bedingt bzw. mit einem "großen Aber", wie sie sagt: "Es ist mir auch ein ganz zentrales Anliegen, ausreichend Gewerbe- und Produktionsgebiete zur Verfügung zu stellen."

    "Endprodukt" im Herbst

    Die Diskussionen zum Stadtentwicklungsplan laufen bereits, der Prozess soll im Herbst in einem vorläufigen "Endprodukt" münden, das anschließend im Gemeinderat weiter behandelt werden soll. Im Sommer 2014 soll der neue STEP dann ebendort beschlossen werden, so das Ziel Vassilakous.

    Dass die Stadt das Potenzial hat, zwei Millionen Menschen mit ausreichend Wohnraum zu versorgen, daran zweifelt sie nicht. Die Nachverdichtung müsse aber jedenfalls "stark vorangetrieben" werden, die "beachtlichen Potenziale im Stadtinneren" gehoben werden. Auf neue Siedlungen am Stadtrand könne dann vorerst verzichtet werden, "die Stadt bekommt diesbezüglich im nächsten Jahrzehnt sicher keinen Stress".

    Widmungen im Laufen

    Das von Beobachtern als recht gewagt angesehene Ziel von Widmungen für 12.000 Wohnungen im gesamten heurigen Jahr, das ein Sprecher der Vizebürgermeisterin kürzlich im STANDARD nannte, hält sie weiterhin für möglich. Allgemein gehe derzeit das Wachstum Wiens "stärker voran, als man noch vor wenigen Jahren angenommen hat", deshalb brauche man unbedingt 8.000 neue Wohnungen jährlich. Zumindest dieses "Soll" habe man bereits zur Hälfte erfüllt, berichtet Vassilakou. (Martin Putschögl, derStandard.at, 6.6.2013)

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    • Stadtentwicklung mit grünem Touch: Der Stadtentwicklungsplan 2025 bekommt ein entsprechendes "Leitbild" vorangestellt.
      foto: derstandard.at

      Stadtentwicklung mit grünem Touch: Der Stadtentwicklungsplan 2025 bekommt ein entsprechendes "Leitbild" vorangestellt.

    • Das "Leitbild" für den STEP 2025 zum Download.

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