Neandertaler-Knochen zeigt Spuren eines Tumors

9. Juni 2013, 23:01
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Seit langem bekannte Fossilien neu untersucht - 120.000 Jahre altes Fragment weist auf fibröse Dysplasie hin

San Francisco - An der 120.000 Jahre alten Rippe eines Neandertalers haben US-Forscher Spuren eines Tumors gefunden. Eine seltene Entdeckung: Krebs wird nur sehr selten in fossilen Knochen diagnostiziert. Nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Krebsarten erst in höherem Lebensalter auftreten, die Menschen früher aber sehr viel jünger starben als wir heute.

Der bisher älteste Nachweis einer menschlichen Tumorerkrankung stamme von einem Homo sapiens und wurde in etwa 1.000 bis 4.000 Jahre alten Proben entdeckt, schreiben die Wissenschafter im Journal "PLoS One". Das Team um Janet Monge von der University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology in Philadelphia entdeckte nun aber wesentlich ältere.

Neue Erkenntnisse aus lange bekanntem Fossil

Das etwa drei Zentimeter große Knochenfragment war in Krapina im heutigen Kroatien schon vor mehr als 100 Jahren zusammen mit vielen anderen Überresten ausgegraben worden. Die Funde wurden auf ein Alter von 120.000 bis 130.000 Jahren datiert. Für die Neuuntersuchung wurden die Proben unter anderem geröntgt und im Computertomografen gescannt.

Die Struktur des Knochengewebes und die Position des Tumors in der Rippe sprechen dafür, dass es sich um eine fibröse Dysplasie handle - einen gutartigen Knochentumor, schreiben die Forscher. Bei dieser Erkrankung ist der Aufbau des Knochengewebes gestört. Es kann dabei zu Verformungen der Knochen kommen, die vor allem im Gesicht entstellend wirken können. Manchmal werden auch Nerven oder Gefäße eingeklemmt und einige Patienten leiden unter Knochenschmerzen.

Inwieweit der Neandertaler unter der Krankheit gelitten hat, wollen die Forscher anhand des einzelnen Rippenfragments nicht beurteilen. Ihre Untersuchung zeige aber, dass Neandertaler, die in einer nicht verschmutzten Umwelt lebten, für die gleichen Tumoren anfällig waren wie die Menschen heute, schreiben die Forscher. (APA/red, derStandard.at, 9. 6. 2013)

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