Hochwasser könnte Wohnungsneubau kippen

5. Juni 2013, 18:51
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Das von der SPÖ geforderte Sonderwohnbauprogramm könnte angesichts der Not der Menschen in der Prioritätenliste zurückgestellt werden

Wien - Seit Jahresbeginn ist die Ankurbelung des Wohnungsneubaus in aller Munde. Die Regierung versprach die Errichtung zusätzlicher Wohnungen und forderte die Zweckbindung der Wohnbauförderung. Ein Teil der Versprechungen könnte aber der aktuellen Hochwassersituation in Österreich zum Opfer fallen, glaubt S-Bausparkasse-Chef Josef Schmidinger: Angesichts der Not der Menschen könnte das von der SPÖ geforderte, 600 Millionen Euro schwere Sonderwohnbauprogramm in der Prioritätenliste zurückgestellt werden, sagte Schmidinger am Mittwoch. Beim Hochwasser 2002 gab es eine ähnliche Situation. Damals wurde die geplante Steuerreform verschoben, weil man das Geld für die Hochwasseropfer brauchte.

Vertreter der SPÖ erklärten aber auf Standard-Anfrage, man halte an der Forderung fest. Verkehrsministerin Doris Bures hatte zuletzt erklärte, sie wolle 600 Mio. in den sozialen Wohnbau fließen lassen. Knapp die Hälfte soll über die Versteigerung der Mobilfunk-Frequenzen hereinkommen. Dafür fehlt aber die Zustimmung der ÖVP. Sie hat sich " erschwingliches Eigentum" auf die Fahnen geschrieben und fordert Gehaltschecks in Gemeindebauten.

Kalte Enteignung

Vertreter der europäischen Bausparkassen betonten am Mittwoch, dass die lang anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB "eine ganz gefährliche Entwicklung" sei, weil "man den Leuten das Sparen abgewöhnt", wie der Vorstand des Verbandes der europäischen Bausparkassen, Andreas Zehnder, kritisierte.

Bei Sparzinsen von unter einem Prozent plus Steuer und Inflation bekommen die Sparer "weit unter null Prozent Zinsen, und das ist kalte Enteignung", so Zehnder. Er sei sich nicht sicher, ob die EZB die Folgen ihrer Zinspolitik erkannt habe, wenn nämlich die Menschen angesichts der Negativzinsen aufhören zu sparen. Das sei ein gefährlicher, weil schleichender Prozess, betonte Zehnder.

Um Immobilienblasen zu verhindern, sei es notwendig, dass jeder Investition eine Spartätigkeit gegenübersteht, betonte Herbert Pfeiffer, Chef der slowakischen Bausparkasse. Diese "Binsenweisheit" wurde in den USA vergessen, dann brach der Immobilienmarkt zusammen. Der Vorteil von Bauspardarlehen: Diese werden immer in nationaler Währung vergeben und möglichst mit eigenen Sparguthaben refinanziert, sagte Pfeiffer.

Das Entstehen von Immobilienblasen sei leicht zu erkennen: wenn sich Leute überschulden, die Banken bei den Bonitätsprüfungen schlampig werden und Institute beginnen, gegen den Trend die Sparzinsen anzuheben. (cr, go, DER STANDARD, 6.6.2013)

  • Weil Geld für die Hochwasseropfer gebraucht wird, droht die versprochene Neubauinitiative verschoben zu werden.
    foto: christian fischer

    Weil Geld für die Hochwasseropfer gebraucht wird, droht die versprochene Neubauinitiative verschoben zu werden.

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