Pflanzen-Produkt: Warum das stabile Lignin nicht bis ins Meer gelangt

9. Juni 2013, 23:02
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Forscher stellen Abbau-Prozesse in Flüssen fest

Bremen - Ein weiteres Puzzleteil zur Lösung der weltweiten Kohlenstoffbilanz ist gefunden, berichtet das Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie. Eine Gruppe von Wissenschaftern aus Brasilien, den USA und Deutschland konnte zeigen, dass der Amazonas große Mengen Kohlendioxid abgibt und überraschenderweise Lignin - der Stoff, der pflanzliche Zellen verholzen lässt - und andere Pflanzenbestandteile die Kohlenstoffquellen sind. In Lignin und Cellulose binden Pflanzen Kohlendioxid in großem Maßstab.

Flüsse in den Tropen und in den gemäßigten Breiten geben große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre ab. Bisher war unklar, woher der Kohlenstoff stammt. Für Lignin, das nur von Landpflanzen produziert wird, nahm man an, dass es von aquatischen Mikroorganismen nur extrem langsam abgebaut werden kann. Obwohl es so stabil scheint, findet man aber fast kein Lignin, das bis in die Tiefsee gespült worden wäre. Die Forscher konnten nun beweisen, dass dieses Lignin bereits in den Flüssen durch Mikroorganismen abgebaut wird.

Untersuchung des Amazonassystems

Als Modellsystem verfolgten die Forscher die Gehalte an organischen Verbindungen im Mündungsgebiet des Amazonas im Laufe eines Jahres. Aus dem wasserreichsten Fluss der Erde steigen jährlich eine halbe Gigatonne Kohlendioxid in die Atmosphäre und das entspricht ziemlich genau der Menge, die der Amazonas an Kohlendioxid bindet - die Bilanz ist fast ausgeglichen. Nur ein Bruchteil von fünf Prozent der ursprünglichen Menge an Lignin wird nicht abgebaut, sondern landet im Meer und davon wiederum etwas im Meeresboden.

Mit der Studie im Amazonas konnten die Forscher nun zeigen, dass Lignin auch für aquatische Organismen ein gefundenes Fressen ist und nur ein kleiner Anteil tatsächlich ins Meer gelangt. Die verbleibende Menge an Lignin wird vermutlich in den oberen Schichten des Atlantiks umgesetzt, sodass die Kohlenstoffbilanz des Amazonas am Ende wohl fast ausgeglichen ist. Die Wissenschafter betonen, dass dieses Ergebnis in die mathematischen Modelle zur globalen Kohlenstoffbilanz einfließen wird. (red, derStandard.at, 9. 6. 2013)

 

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