Grazer Uni-Klinik: Proteste zeigen Wirkung

5. Juni 2013, 17:28
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Uni-Rat will geplante Schließung der Klinik für Psychotherapie jetzt "genau prüfen"

Graz - Die bundesweiten Proteste auf universitärer Ebene gegen die geplante Schließung der Grazer Uni-Klinik für Psychotherapie und Medizinische Psychologie - sie soll in die Psychiatrische Klinik eingegliedert werden - zeigen offenbar Wirkung. Der ehemalige Rektorenchef Hans Sünkel steigt jetzt als Mitglied des Uni-Rates der Grazer Med-Uni auf die Bremse. "Wir sind in einer Aussprache mit dem Rektorat mit den Plänen konfrontiert worden. Es wird jetzt aber noch im Detail analysiert, und wir sind noch lange nicht so weit, dass eine klare Strategie vorliegt. Es gibt Anfang Juli eine Strategiesitzung, und da wird alles noch mal im Detail besprochen", sagte Sünkel im Gespräch mit dem Standard. Vorstände und Experten der Uni-Kliniken für Psychotherapie aus Innsbruck, Wien und Deutschland hatten zuletzt in einem Brief an die Grazer Med-Uni gegen die Schließung der Klinik protestiert.

Der Rektor der Med-Uni, Josef Smolle, argumentiert mit einer notwendigen Strukturreform, Doppelgleisigkeiten müssten behoben werden. Hintergrund des über den aktuellen Grazer Fall der Schließung der Uni-Klinik gehenden Streites ist der in Fachkreisen der Psychotherapie und Psychologie geäußerte Vorwurf, die Lobby der Psychiatrie wolle mit der Pharmaindustrie im Rücken ursächliche Aufgaben der Psychotherapie und Psychologie übernehmen.

Der Grazer Krebsspezialist und Chef der Onkologie an der Med-Uni, Hellmut Samonigg, unterstützt die Bedenken der Kritiker. Die Psychiatrie sei "auf dem Gebiet der Psychotherapie einfach nicht beheimatet." Auch Patienten mit schweren körperlichen Krankheiten würden den Dienst der Uni-Klinik für Psychotherapie benötigen, sie seien aber nicht psychisch krank und daher auch kein Fall für die Psychiatrie.

Die Grünen haben unterdessen eine Anfrage im Landesparlament an Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder eingebracht. Grünen- Gesundheitssprecherin Ingrid Lechner-Sonnek: "Ich frage mich, was die wirklichen Gründe für die Klinik-Auflösung sind. Es ist eine hochwertige Klinik, zeitgemäß aufgestellt in der Forschung wie in der Patientenversorgung. Eine Zerschlagung würde einen Rückschritt auf Jahrzehnte bedeuten." (Walter Müller, DER STANDARD, 6.6.2013)

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