Klimawandel: Es muss reagiert werden

Leserkommentar5. Juni 2013, 15:30
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Was sich an der Politik ändern muss, damit das Klima nicht noch schlimmer wird

Das einzig Positive an einem Jahrhunderthochwasser war bis dato, dass man dann wieder für 100 Jahre Ruhe hatte. Diese Zeiten sind wohl vorbei. Denn heute steht Jahrhundert nicht mehr für eine Zeitspanne, sondern für die Beschreibung der Ausmaße. Man könnte es also genauso gut Megahochwasser oder Flut-Super-GAU nennen.

Warum aber haben wir nach nur elf Jahren schon wieder ein Jahrhunderthochwasser? Ist das schon der Klimawandel? Wissen wir (noch) nicht. KlimaforscherInnen arbeiten mit Hochdruck daran, die aktuellen Wetterphänomene zu erklären, aber der Durchbruch kann noch Jahre dauern. Ganz ahnungslos sind wir zum Glück aber nicht mehr.

Denn wir wissen: Je wärmer es im globalen Mittel wird, desto mehr verschiebt sich der Maßstab für den Normalfall. Das bedeutet, Ereignisse, die heute noch als besonders extrem gelten, werden wahrscheinlicher. Das gilt nicht nur für Hitzewellen, sondern auch für Niederschläge. Denn je wärmer die Luft wird, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen, das dann wieder abregnet.

Vieles deutet auf den Klimawandel hin

Nun stehen uns zwei Möglichkeiten offen. Erstens: weiter die Realität ignorieren und PolitikerInnen wählen, die den Klimawandel leugnen oder nicht ernst nehmen und erneuerbare Energien als den Untergang des Abendlandes sehen. Weiter immer größere Autos bauen und kaufen und jede noch so kurze Strecke damit zurücklegen. Weiter im Winter Erdbeeren aus Südafrika essen und das argentinische dem österreichischen Rindfleisch vorziehen.

Falls die KlimaexpertInnen dann doch recht hatten, haben wir uns wohl verzockt. Wir können uns dann ja weiter einreden, dass vorher nur 97 Prozent der WissenschaftlerInnen vom Klimawandel überzeugt waren und dass uns das zu wenig war, um jetzt schon mit Verzichten zu beginnen.

Möglichkeit zwei wäre, uns der Bedrohung unseres Planeten, unseres Lebensraumes, unser Gesundheit und der unserer Kinder bewusst zu werden und zu sagen: Das Risiko ist uns zu hoch. Dann essen wir doch Gemüse aus Österreich, fahren regelmäßig mit dem Fahrrad, nehmen öfter den Zug statt das Flugzeug oder Auto, regen uns nicht mehr maßlos über Windräder auf. Sind nicht immer im Nachhinein klüger, sondern überlegen und schon mal vorher ob es sich wirklich ausgehen kann, wenn wir im Winter Tomaten aus Spanien für 59 Cent das Kilo kaufen.

Politikwandel

Vor allem: Wählen wir endlich Parteien und PolitikerInnen die sich der Dramatik der Lage bewusst sind und unser Klimaproblem jetzt sofort in Angriff nehmen. Indem wir bis 2030 auf 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen umsteigen und bis 2050 den gesamten Energieverbrauch mit erneuerbaren Energien abdecken. Indem wir Kostenwahrheit bei Produkten schaffen, also Umweltschäden in den Preisen beachten oder höhere Abgaben auf Industriemüll einführen. Indem wir Energieeffizienz, Elektro- und Wasserstoffautos, Hochgeschwindigkeitszüge und Elektrofahrräder fördern und noch vieles mehr.

Überlassen wir unsere Welt nicht mehr ahnungslosen PolitikerInnen, skrupellosen Konzernen und unserer eigenen Bequemlichkeit. Es gibt genug zu tun und wir haben keine Zeit für Krise.

Und wenn die KlimawandelskeptikerInnen doch Recht hatten? Ja, dann haben wir einfach etwas für mehr Lebensqualität getan. (Fayad Mulla, Leserkommentar, derStandard.at, 5.6.2013)

Fayad Mulla (32) ist Vorsitzender der Partei Der Wandel.

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