Otto bemerkt nach "Amazon-Shitstorm" starke Zuwächse

5. Juni 2013, 14:08
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Otto Gruppe bezahlt Leiharbeiter nach Kollektivvertrag - Versandhändler investiert Millionen in Online-Ausbau

Seit der größte Onlinehändler Amazon in Deutschland wegen der Behandlung von Leiharbeitern stark in die Kritik geraten ist, ziehen die Umsätze bei der Versandhandelsgruppe Otto, zu der unter anderem die Marken Otto, Quelle und Universal gehören, in Österreich stark an. "Ich weiß nicht, ob es einen direkten Zusammenhang gibt, aber seit März gibt es bei uns starke Umsatzzuwächse", sagte Österreich-Chef Harald Gutschi am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. Zu dieser Zeit sei auch der "Amazon-Shitstorm" gewesen. Das Wetter sei dafür jedenfalls nicht verantwortlich.

Anteil der Leiharbeiter bei 10 Prozent

Ähnliche Verhältnisse wie beim Versandriesen schließt man bei der Otto Gruppe dezidiert aus: In der Warenhauslogistik in Deutschland arbeiten zwischen 4.000 und 4.500 Mitarbeitern - "alle im Einzelhandel-Tarifvertrag", wie vom aus Deutschland angereisten Vize-Chef der Otto Group, Rainer Hillebrand, betont wurde. Der Anteil der Leiharbeiter betrage 10 Prozent und auch sie seien nach Kollektivvertrag beschäftigt. Ebenso hoch sei der Leiharbeiteranteil in Österreich. "Aber es gibt schwarze Schafe im Onlinehandel", räumte Gutschi ein.

Angesichts verändertem Einkaufverhalten - Stichwort Smartphone und Online - sieht man beim Versandhändler "eine für uns gute Zeit". "Es tut mir um jede Pleite leid, aber viele bemerken die Veränderungen nicht", sagte Gutschi mit Blick auf die insolvente Elektrokette Niedermeyer, die ihre Geschäfte noch diese Woche endgültig schließt.

Die gesamte Otto Gruppe hat im vergangenen Jahr bereits 5,7 Mrd. Euro online erwirtschaftet. Das entspricht einem Anteil von 57 Prozent am Gesamtumsatz. 2003 lag dieser Anteil erst bei 15 Prozent. Bis 2015 soll der Online-Umsatz der Gruppe 8 Mrd. Euro betragen. Um das zu erreichen, werden 300 Mio. Euro in den elektronischen Handel (E-Commerce) investiert, in Österreich sind es 20 Mio. Euro, zumal Online auch für die Österreich-Gesellschaft das Schlagwort der Zukunft ist. 15 Prozent der gesamten Ausgaben in Österreich würden inzwischen schon online getätigt. In zehn Jahren werde dieser Anteil auf 30 Prozent anwachsen.

Wermutstropfen

Bei all der Euphorie über das Online-Geschäft gibt es auch einen Wermutstropfen. In Deutschland baut der Versandhändler bis zu 350 Arbeitsplätze ab. In welchen Bereichen, steht noch nicht fest, aber betroffen ist wohl auch das Kataloggeschäft, das kontinuierlich zurückgeht. In Österreich sei kein Stellenabbau geplant. Hierzulande beschäftigt das Unternehmen etwa 850 Mitarbeiter.

Zum Otto-Reich gehören in Österreich auch die Marken Sportscheck, Heine oder Bonprix. In Summe sind es 17 Einzelgesellschaften. Zusammen erwirtschafteten sie 2012 einen Umsatz von 385 Mio. Euro bei 8 Millionen verschickten Paketen. Die Rücklaufquote von 35 Prozent sei im Vergleich zu anderen in der Branche gering. Bei Zalando ist von Rücklaufquoten von bis zu 80 Prozent zu hören. Von noch großzügigeren Rücktrittsrechten für Konsumenten hält Hillebrand nichts: "Eine Bluse, die mir nach ein paar Tagen nicht gefällt, gefällt mir auch nach 100 Tagen nicht." Der Versandhändler gewährt ein Rücktrittsrecht von 14 Tagen.

Die Marken Otto, Quelle und Universal setzten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 (per Ende Februar) 278,7 Mio. Euro um, ein Plus von 10,7 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Darin enthalten sind auch die Umsätze der kleineren Gesellschaften Ackermann, Alpenwelt und Oko. Österreich-Chef Gutschi hält eine Umsatzverdoppelung auf rund 550 Mio. Euro bis 2020 für realistisch. "Es gibt überhaupt keinen Grund, warum das Wachstum schwächer werden sollte", sagte er. (APA, 5.6.2013)

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