Uni Wien macht Verlust von 15 Millionen Euro

5. Juni 2013, 14:53
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Wegfall der Studiengebühren sorgte für höheres Minus als angenommen - Bisher keine Abhilfe durch Studienplatzfinanzierung

Die Finanzsituation der größten Universität des Landes bleibt angespannt. Im Jahr 2012 schloss die Universität Wien ihr Budget mit einem Minus von 15 Millionen Euro ab. Der Verlust konnte durch Rücklagen aufgefangen werden, erklärte Rektor Heinz Engl bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. "Wenn so etwas noch einmal passiert, kommen wir in echte Schwierigkeiten", so Engl. Ein derartiger Verlust könne nur einmal aufgefangen werden.

Verlust durch Abschaffung der Studiengebühren

Die Universität hatte für 2012 mit einem Minus von acht Millionen Euro gerechnet, die zusätzlichen sieben Millionen Euro Belastung sind entstanden, weil in diesem Jahr keine Studiengebühren eingenommen wurden. Mittlerweile müssen Studierende aus Drittstaaten und Langzeitstudenten wieder Studiengebühren bezahlen.

Wie die Universität in ihrer Bilanz zeigt, lag der Umsatz im Jahr 2012 bei 521,9 Millionen Euro. Die Uni Wien wird mit 424,7 Millionen Euro hauptsächlich vom Bund finanziert, 67,7 Millionen Euro kommen aus Drittmitteln. 

Drittmittel unverzichtbar

Rektor Engl ist besonders stolz darauf, dass die Drittmittel seit 2011 um 7,6 Prozent gestiegen sind, im Vergleich zum Jahr 2007 seien sie sogar um 65 Prozent gestiegen. "Die Drittmittel sind für uns unverzichtbar", so Engl. Diese seien allerdings projektbezogen, die Forderung von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, die Grundfinanzierung der Universität ebenfalls mit Drittmitteln zu bewältigen, sei deshalb unrealistisch.

Uni fühlt sich unterfinanziert

Generell fühlt sich die Universität Wien laut Engl vor allem im Vergleich mit den Unis in Zürich und Berlin unterfinanziert. Die Uni Wien habe 30 Prozent der Studierenden in Österreich, aber nur 15 Prozent des gesamten Budgets. "All unsere Probleme wären gelöst, wenn der tertiäre Sektor tatsächlich zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes bekommen würde, so wie es seit Jahren versprochen wird." Im Jahr 2012 haben 10.500 Studierende ein Studium an der Uni Wien absolviert, damit hatte die Hochschule erstmals mehr als 10.000 Absolventen in einem Jahr.

Studienplatzfinanzierung bringt keine Verbesserung

Auch die Studienplatzfinanzierung, die derzeit getestet wird, schaffe zwar keine Verschlechterungen, aber auch keine Verbesserungen, kritisiert Engl: "Bisher haben wir nur Ankündigungen gehört." Minister Töchterle würde unter Studienplatzfinanzierung bisher nur Zugangsregelungen verstehen, "ich verstehe darunter vor allem eine höhere Finanzierung", so Engl.

Zu den hohen Anmeldezahlen für die Wirtschaftsstudien sagte Engl, dass sich auch hier die Situation im Vergleich zu den Vorjahren weder verbessern noch verschlechtern werde. Die festgelegten Studienplätze seien zudem vor allem in der Pharmazie völlig unrealistisch. Das Ministerium sehe 700 Plätze vor, obwohl es nur 200 Laborplätze gebe, das sei vor allem angesichts eines aktuellen Urteils des Obersten Gerichtshofs schwierig. Der OGH hatte im Mai festgestellt, dass eine Universität rechtswidrig handelt, wenn ein Studierender sein Studium wegen nicht ausreichender Lehrveranstaltungen erst später als vorgesehen beenden kann. Die Republik muss einem ehemaligen Medizinstudenten deshalb Schadenersatz zahlen.

Mehr Wahlfreiheit im Studium geplant

Für die Zukunft kündigte Engl eine Überarbeitung der Lehrpläne der Bachelor- und Masterstudien an. Die Bologna-Reform habe die Studien zu sehr verschult, künftig solle es wieder mehr Wahlmöglichkeiten geben. Auch die vertikale Mobilität soll forciert werden, also der Wechsel nach einem Bachelorstudium in ein Masterstudium einer anderen Studienrichtung. 

Töchterle weist Kritik zurück

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle hat am Mittwoch die Kritik Engl zurückgewiesen, wonach er unter Studienplatzfinanzierung vor allem Zugangsbeschränkungen verstehe. Überall, wo es Studienplatzfinanzierung gibt, pendle man zwischen einem idealen Preismodell, bei dem ein Fixpreis pro Studienplatz festgelegt wird, und einem realistischen Verteilungsmodell, wo das vorhandene Geld durch die Zahl der Studienplätze dividiert wird.  In Österreich nähere man sich dem Preismodell mit Finanzierung pro Studienplatz erst an, und dafür gebe es, anders als Engl behauptet, auch zusätzliche Mittel. Immerhin stünden gemeinsam mit der Hochschulmilliarde bis 2015 rund 36 Millionen Euro für zusätzliche Professorenstellen zur Verfügung. (lis, derStandard.at/APA, 5.6.2013)

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    Im Jahr 2012 absolvierten 10.500 Studierende ein Studium an der Unversität Wien.

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    Rektor Engl warnt vor weiteren Verlusten an der Hochschule: "Wenn so etwas noch einmal passiert, kommen wir in echte Schwierigkeiten."

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