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FACELESS part I – Gesichtslosigkeit im MuseumsQuartier Wien

5. Juni 2013, 13:21

Anhand zahlreicher zeitgenössischer Arbeiten geht die Ausstellung FACELESS im freiraum quartier21 INTERNATIONAL dem Phänomen der unausweichlichen Wiedererkennbarkeit in den Medien nach und den daraus resultierenden Strategien der MedienbenutzerInnen gleichsam „gesichtslos“ zu werden.

Datum: 04.07. bis 01.09., Di-So 13-19h
Eröffnung: Mi 03.07., 19h
Ort: freiraum quartier21 INTERNATIONAL
Eintritt frei

Anhand zahlreicher zeitgenössischer Arbeiten geht die Ausstellung FACELESS im freiraum quartier21 INTERNATIONAL dem Phänomen der unausweichlichen Wiedererkennbarkeit in den Medien nach und den daraus resultierenden Strategien der MedienbenutzerInnen gleichsam „gesichtslos“ zu werden. Die Ausstellung FACELESS widmet sich auf radikale Weise diesem recht neuen Thema medialer Alltagskultur und zeigt, wie es in bildender Kunst, Mode, Fotografie, Werbung und Tanz aufgegriffen wird. Zu sehen sind u.a. Werke von Marina Abramovic, Thorsten Brinkmann, Maison Martin Margiela sowie Projekte unbekannter NetzbewohnerInnen.

Die höchst unterschiedlichen Strategien und Methoden, um Gesichter im Netz „verschwinden“ zu lassen, können als eine ironische, zornige und berechtigte Kritik an unserer Medienwirklichkeit gelesen werden. Gesichter verschwinden zwar nicht, doch werden sie bis zur Unkenntlichkeit manipuliert, ja mitunter entstellt. Der Künstler Bogomir Doringer, in Zusammenarbeit mit Brigitte Felderer von der Universität für angewandte Kunst Wien, kuratiert die zweiteilige Ausstellung, FACELESS. Teil1 ist von 4. Juli bis 1. September 2013 zu sehen.

Nach den Ereignissen von 9/11 und als Reaktion auf die Angst vor Terroranschlägen wurden Ebenen der Transparenz und Kontrolle in Bereichen hingenommen, wo sie zuvor undenkbar gewesen wären. Das hat zur Änderung von Sicherheitskonzepten wie zur Ausweitung von Überwachungssystemen geführt. Soziale Netzwerke, die oftmals gegen die Privatsphäre verstoßen aber ihren UserInnen dafür Popularität verheißen, sind so zur Normalität geworden. Viele KünstlerInnen beschäftigen sich kritisch mit diesem Thema und verwenden „verdeckte Gesichter“ als Möglichkeiten, ein nicht-beobachtetes Dasein zu führen.

Der Künstler Thorsten Brinkmann präsentiert beispielsweise Selbstdarstellungen, die in Farbe, Pose und Anordnung an klassische Porträtmalerei erinnern. Doch treten gebrauchte Alltagsgegenstände und gefundene Objekte aus dem Sperrmüll an die Stelle seiner Gesichtszüge. Die Masken und Kopfbedeckungen von Modelabels wie Maison Martin Margiela, Viktor & Rolf oder Bernhard Willhelm legen nahe, dass die Gesichter der Models für die Präsentation der Kollektionen überflüssig geworden sind.

Eine „public persona“ wie Marina Abramovic versucht hingegen, ihren hohen Wiedererkennungswert in fotografischen Selbstporträts zu relativieren. Frank Schallmaier verwendet wiederum für seine Collagen Fotografien, die er in sozialen Netzwerken und Online-Partnerbörsen für Homosexuelle findet: sie zeigen Personen, die sich wohl zeigen, aber dabei ihr Gesicht verbergen und bei allem Versprechen anonym bleiben. Hester Scheurwater thematisiert in ihren Fotoarbeiten die mediale Repräsentation von Frauen als Objekte von Begierde. In Ute Kleins Fotografien verschmelzen die Körper von Liebenden zu temporären und gesichtslosen Skulpturen während Nienke Klunder in ihren Selbstporträts die banale Omnipräsenz erotischer Bilder parodiert.

Im Rahmenprogramm zur Ausstellung wird es Artist Talks, Workshops für Kinder und Jugendliche sowie Podiumsdiskussionen geben. Bereits am Eröffnungsabend sind die BesucherInnen Teil der partizipativen Performance „Anonymity“ von Addie Wagenknecht und Stefan Hechenberger, die sich spielerisch mit Kritik an dem Überwachungsstaat auseinandersetzt: an die BesucherInnen werden schwarze Brillen ausgeteilt, die an Zensurbalken erinnern, Bilder von den Überwachungskameras machen die Beobachteten zu Beobachtern. „Anonymity“ wurde von Addie Wagenknecht und Stefan Hechenberger in New York entwickelt und für die Eröffnung der Ausstellung FACELESS adaptiert. Die Künstler sind auf Empfehlung der Initiative Artistic Bokeh im Rahmen von „Artistic Technology Research“ der Universität für angewandte Kunst Wien Artists-in-Residence des quartier21.

KünstlerInnen (Auswahl):
Marina Abramovic (RS/US), Martin Backes (DE), Thorsten Brinkmann (DE), Asger Carlsen (DK/US), Paul DeFlorian (AT/DE), D+M (Dora Budor & Maja Cule) (CR/US), Caron Geary (UK), Harem Royal (RS), David Haines (UK/NL), Stefan Hechenberger (AT), Sabi van Hemert (NL), Peter William Holden (UK/DE), Ute Klein (DE), Nienke Klunder (UK), Zachari Logan (CA), Maison Martin Margiela (BE), Ismaël Moumin (BE), Ana Rajcevic (RS/UK), Mustafa Sabbagh (IT), Daniel Sannwald (DE), Frank Schallmaier (NL), Hester Scheurwater (NL), Levi van Veluw (NL), Viktor & Rolf (NL), Anne de Vries (NL), Addie Wagenknecht (US), Bernhard Willhelm (DE), WOODKID (FR). Einige der KünstlerInnen werden ihre Arbeiten als Artists-in-Residence im MuseumsQuartier vorbereiten.

FACELESS wird in Kooperation mit dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, der Botschaft des Königreichs der Niederlande und dem Bund Europäischer Föderalisten (JEF/BEF) organisiert.

  • Artikelbild
    foto: lady glittersky, 2009, c-print, 121x92cm (c) thorsten brinkmann, vbk, wien 2013 und vg bildkunst bonn 2012
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