ORF: Mehr von der Politik oder weniger Programm

5. Juni 2013, 19:11
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Refundierung oder Director's Cut in TV, Radio, Landesstudios - Struktursparen "sicher nicht" allein mit Pensionierung

Reichenau/Wien - Bis in die Nacht besprachen ORF-Direktoren in Reichenau, wo sie sparen. Ergebnis: ein Eskalationsplan, abhängig von der Politik. Und eine ernste Ansage an die Belegschaft: 15 Millionen weniger Personalkosten gehen sich "sicher nicht" mit vorzeitigen Pensionierungen aus, sagen Kenner der Materie - das erfordere auch Kündigungen.

Betriebsratschef Gerhard Moser äußerte sich zunächst nicht; ihm längen keine neuen Infos vor. Bei Kündigungsplänen sei der Betriebsrat zu informieren.

Die Sparklausur bescherte den 14 ORF-Direktoren eine harte Aufgabe: Sie müssen Personallisten erstellen, wie sie die Vorgaben erfüllen - wer gehen muss. Das hängt auch von der Bereitschaft zu vorzeitiger Pension ab. TV-Unterhaltungschef Edgar Böhm etwa soll nach internen Infos schon zwei Angebote abgelehnt haben.

Zudem kursieren ein Aufnahmestopp und ein neuer, für den ORF günstigerer Kollektivvertrag.

Schrauben an Strukturen

Weitere fünf Millionen will der ORF in Strukturen sparen. Gestrafft und zusammengelegt wird bei den Wetterredaktionen, bei Archiv, Kundendienst, Callcentern, Presse und Marketing. Gekürzt wird auch beim Radiokulturhaus; das Radioorchester muss laut Insidern "erheblich" wirtschaftlicher werden - mehr einnehmen und/oder weniger kosten.

Noch 20 Millionen sollen stille Reserven, Verkauf von Wertpapieren und Immobilien bringen.

Das ist Stufe eins des Sparplans. Stufe zwei - 40 Millionen weniger fürs Programm - folgt, wenn die Politik nicht nach der Wahl und vor dem Budgetstiftungsrat am 12. Dezember doch Gebührenbefreiungen für 2014 abgilt.

Kürzungen drohen dann Aufträgen an die proteststarken Produzenten. Produktionen der - von Landeshauptleuten gehegten - Landesstudios, Ausnahme: Quotenmuskel Bundesland heute. Bei ORF Sport Plus wird gespart. Die Information soll verschont, ihre Budgets 2013 fortgeschieben werden, jedenfalls in TV und Radio.

Beim Kinderfernsehen, das in ORF 1 werbevermarktbare Quoten kostet, sind wieder Verlagerung in eine Österreichvariante von Kika und Abrufangebote auf Onlineplattformen Thema. (fid, APA, DER STANDARD, 6.6.2013)

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