Massenproteste im iranischen Isfahan

5. Juni 2013, 11:10
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Erstmals seit 2011 gingen beim Begräbnis des moderaten Freitagspredigers der Stadt Zehntausende auf die Straße: "Tod dem Diktator"

Teheran/Wien - Im Iran wurde das Begräbnis des beliebten und moderaten Freitagspredigers von Isfahan, Ayatollah Jalaluddin Taheri, am Dienstagnachmittag zu einer Massendemonstration gegen die iranische Führung. Es ist dies die erste große Massenkundgebung gegen das Regime seit 2011.

Wie die BBC, aber auch andere Medien berichten, skandierten Zehntausende in Anspielung auf Irans Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei "Tod dem Diktator" und "Wir wollen unsere Freiheit".

Taheri, der am Sonntag im Alter von 87 Jahren gestorben war, hatte seine Stimme lautstark gegen die Hardliner und Ultrakonservativen im Land erhoben und war somit in Isfahan eine Symbolfigur der moderaten Reformer geworden. Sein Sarg wurde in grüner Seide, der Farbe der Opposition, eingewickelt.

Freilassung von Oppositionellen gefordert

"Es wird der Tag kommen, wo ich nicht mehr da bin und nicht mehr für mein Volk die Stimme ergreifen kann, denn ich bin ein alter Mann, aber meine hochverehrte Bevölkerung in Isfahan weiß, dass die Führung immer den Willen des Volkes repräsentieren muss. Daher warne ich manche Hardliner, zu glauben, dass sie mit Unterdrückung und Zwang einen Weg in die Herzen der Menschen erlangen werden. Sie werden nur Hass ernten", hatte Taheri schon 2012 erklärt.

Die Demonstranten forderten auch die Freilassung der Führer der Opposition, Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi, die sich unter Hausarrest befinden, sowie die Freilassung aller politischen Gefangenen.

Die Polizei schritt bei den Protesten überraschenderweise nicht ein, offenbar um knapp vor der Präsidentschaftswahl am 14. Juni keinen öffentlichen Zorn heraufzubeschwören. Bei der umstrittenen Wiederwahl des scheidenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad 2009 war es zu monatelangen Protesten der Opposition gekommen, die von der Polizei und den Milizen brutal niedergeschlagen wurden. Hunderte Menschen wurden getötet, verletzt oder in Gefängnisse gebracht. (APA, 5.6.2013)

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