Sanoria zahlt nur Hälfte des Hypo-Kaufpreises

5. Juni 2013, 09:32
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Der britisch-indische Käufer darf ungewünschte Geschäfte an die Hypo International abschieben, was den Kaufpreis mindern könnte

Wien/Klagenfurt - Der britisch-indische Käufer der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank, Sanjeev Kanoria, legt vorerst nur 32 Millionen Euro für die Österreich-Tochter der Hypo Alpe Adria International aus. Das ist die Hälfte des vereinbarten Kaufpreises von 65 Millionen Euro, schreibt die "Kleine Zeitung". Davon seien überhaupt erst fünf Millionen Euro auf ein Treuhandkonto eingegangen, 27 Millionen Euro sollen innerhalb von zwei Wochen folgen.

Unklarheiten später geregelt

Für den restlichen Kaufpreis gebe es nur eine Garantie, wobei die Geldflüsse noch offen seien. Denn "den Käufern soll das Recht zustehen, bei Uneinigkeit über einzelne Wertberichtigungen oder Kreditvorsorgen das betreffende Geschäft an die Muttergesellschaft (Hypo International) abzutreten" schreibt die Zeitung. Im Extremfall könnte dadurch die Restzahlung sogar "bei null" liegen, behaupten "Insider". Die Bank bestätige "im Grundsätzlichen" diese Klauseln, verweise aber darauf, dass es sich um einen "normalen" Kaufvertrag handle.

Für den Verkauf sei die politische Debatte, in der die Bank mehrfach schlecht gemacht wurde, schädlich gewesen. Unter anderem hatte Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) die Bank als ein "Fass ohne Boden" bezeichnet, EU-Kommissar Almunia drohte mit der Schließung. Nicht zuletzt deshalb hätten Kunden das Vertrauen verloren, in den letzten sechs Wochen seien "viele Dutzend Millionen Euro" abgeflossen, fast 2.000 Sparkonten seien abgezogen worden. Der Business-Plan habe revidiert werden müssen, ein Gewinneinbruch von 65 Prozent sei eingeplant worden, zitiert die Kleine Zeitung einen "Involvierten".

Zukunft des Europa-Geschäfts offen

Während für die Österreich-Tochter nun der Fortbestand gesichert scheint, ist die Zukunft der Hypo International offen. Fekter hat am Freitag ein Konzept für die Abwicklung nach Brüssel geschickt. Es würde noch heuer insbesondere wegen Abwertungen der Südosteuropa-Töchter zusätzliches Kapital - und damit Kosten für den Steuerzahler - von 2,5 Milliarden Euro erfordern. Im Budget sind allerdings für die Hypo heuer "nur" 700.000 Euro eingeplant. Angeblich könnte es schon bei der Erstellung der Halbjahresbilanz 2013 ohne Kapitalzuschuss Probleme geben.

Umstritten ist auch der Zeitpunkt für die Veräußerung der Südosteuropa-Töchter: Das Konzept der Republik Österreich sähe 2015 vor. Die EU-Kommission hat bisher aber auf einem schnelleren Verkauf bestanden. Zuletzt gab es in Medien Spekulationen, dass Hypo-Vorstandschef Gottwald Kranebitter sein Amt niederlegen könnte, sollte die Frist für den Verkauf von der EU-Kommission mit 2014 festgesetzt werden. (APA, 5.6.2013)

  • Sanjeev Kanoria
    foto: hypo alpe adria

    Sanjeev Kanoria

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