Slowakei blickt gebannt nach Westen, Elbe bedroht Deutschland und Tschechien

5. Juni 2013, 14:27
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Das Hochwasser außerhalb Österreichs: Höhepunkt in Slowakei erwartet - Weitere Evakuierungen in Dresden - Teile der tschechischen Stadt Usti geflutet

Prag/Dresden/Bratislava - Das Donauhochwasser in der Slowakei hat vermutlich ein erstes Todesopfer gefordert. Rettungskräfte haben am Mittwoch aus dem Stausee Gabcikovo südöstlich der Hauptstadt Bratislava die Leiche eines Mannes geborgen, der ertrunken sein dürfte, berichteten slowakische Medien.

Wenige Stunden vor dem erwarteten Eintreffen der Scheitelwelle der Donau hegten die Bewohner der slowakischen Hauptstadt die Hoffnung, verschont zu bleiben, obwohl sich der Pegel unaufhaltsam der Zehn-Meter-Marke näherte. Am frühen Mittwochnachmittag wurden in Bratislava bereits 9,80 Meter gemessen, gab das Hydrometeorologische Amt der Slowakei bekannt. Das Wasser stieg in Bratislava schneller, als erwartet, sagten Hydrologen. Laut Prognosen sollte die Donau am späten Donnerstagnachmittag seinen Höchststand von maximal 10,20 Meter erreichen.

Weiterer Anstieg der Elbe

In Deutschland und in Tschechien war es das Hochwassser der Elbe, das weite Landstriche bedrohte. In Sachsen bereiteten Mittwoch früh die Einsatzkräfte angesichts der steigenden Wasserstände weitere Evakuierungen vor. Der Fluss werde weiter anschwellen, sagte ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums. In Tschechien war die Industriestadt Usti (Aussig) im Norden des Landes geflutet. Die Wassermassen strömten in der Nacht schneller als erwartet über die Hochwasserwände im Stadtteil Strekov, wie das tschechische Fernsehen berichtete.

Bis zum Abend soll die Elbe in der tschechischen Stadt mit fast 100.000 Einwohnern nach Behördenangaben weiter ansteigen. Erwartet wird ein Pegelstand zwischen 11,1 und 11,5 Metern, normal sind an dieser Stelle etwa zwei Meter. Flussaufwärts in Melnik am Zusammenfluss von Elbe und Moldau stand das Wasser zeitweise nur wenige Zentimeter unter der Deichkrone. Helfer stapelten auch dort unermüdlich Sandsäcke, um Deiche zu sichern.

Landesweit mussten bereits mehr als 19.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen, wie die Feuerwehr mitteilte. In Prag begann sich die Lage langsam zu entspannen, das U-Bahnnetz im Zentrum der Millionenstadt blieb aber geschlossen. Auf der Prager Trabrennbahn in Velka Chuchle stand das Wasser Berichten zufolge zwei Meter hoch.

Katastrophenalarm im Landkreis Nordsachsen

Mittwoch früh stand die Elbe in Dresden bei 8,27 Metern. Normal sind etwa zwei Meter. Wie weit das Wasser noch steigt, hängt vor allem davon ab, wie viel aus Tschechien nach Sachsen fließt. In Dresden lief in der Früh ein Einsatz, um 660 Menschen im Stadtteil Gohlis in Sicherheit zu bringen.

Auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bereitete weitere Evakuierungen vor. Am Pegel in Schöna nahe der Grenze zu Tschechien wurde in der Nacht auf Mittwoch die Zehn-Meter-Marke überschritten. 11.000 Menschen seien bisher in Sicherheit gebracht worden, sagte eine Sprecherin. In der Stadt Pirna musste das Rathaus geräumt werden, weil es wie die Altstadt unter Wasser stand. Der Landkreis Nordsachsen rief für die betroffenen Gebiete an der Elbe Katastrophenalarm aus. Auch in Meißen drang die Elbe weiter in die Stadt vor. Fast alle Straßen in die Altstadt seien mittlerweile gesperrt, sagte eine Sprecherin.

Passauer Bürger haben wieder Trinkwasser

In Passau gibt es mit sinkenden Hochwasser-Ständen für die meisten Bewohner wieder Trinkwasser. Für 90 Prozent der Haushalte hätten die Stadtwerke die Trinkwasserversorgung wieder aktiviert, wie ein Stadtsprecher Mittwoch früh mitteilte. Im Lauf des Tages sollten die restlichen Haushalte folgen. Im Zuge der Hochwasserkatastrophe war die Trinkwasserversorgung in der Dreiflüssestadt gekappt worden - es war eine Verunreinigung der Brunnen zu befürchten.

Noch muss das Wasser aber nach Angaben der Stadt aus hygienischen Gründen mit Chlor aufbereitet werden. Vor der Zubereitung von Getränken oder Speisen sollte es sicherheitshalber auch noch abgekocht werden. Die Menschen in Passau hatten in den vergangenen Tagen das schlimmste Hochwasser seit mehr als fünf Jahrhunderten erlebt. (APA/red, derStandard.at, 5.6.2013)

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    Die Donau flutete bei Deggendorf in Bayern auch eine Autobahn.

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    Straßen und Häuser wurden durch die Hochwasser führende Elbe in Dresden-Gohlis überflutet.

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    In Niederwartha (Sachsen) gelangte schweres Gerät der Bundeswehr zum Einsatz.

  • In Tschechien war die Industriestadt Usti im Norden des Landes geflutet.
    foto: epa/filip singer

    In Tschechien war die Industriestadt Usti im Norden des Landes geflutet.

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