Salzburger Festspiele: Keine Schraubenfabrik

Kommentar4. Juni 2013, 22:02
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Alexander Pereira wurde als Nachfolger Stéphane Lissners an die Mailänder Scala berufen. In Salzburg stießen seine Expansionsgelüste auf wenig Gegenliebe

Salzburg, beteuerte Festspielpräsident Alexander Pereira immer wieder, sei seine absolute berufliche Traumdestination. Nun, ein paar unerfreuliche Budgetverhandlungen und Wortwechsel mit dem Kuratorium später, fliegt er bald an die Mailänder Scala weiter. Wie bald, wird sich in den nächsten Tagen weisen - und die Salzburger Festspiele eventuell vor gröbere Schwierigkeiten stellen. Wenn Stéphane Lissner nämlich nicht, wie geplant, erst 2015, sondern subito abdanken würde, stünde Salzburg ebenso subito ohne Intendant da. Und dann?

An der Salzach kam zuletzt keine rechte Festspielstimmung auf. Intendant, Präsidentin und Kuratorium sprachen eher unterkühlt mit- und übereinander. Pereiras Expansionsgelüste stießen auf wenig Gegenliebe. Nach 2016, das war allen klar, würde es Pereira in Salzburg nicht mehr geben. Ebenso klar war aber auch, dass Pereira nicht zahn- und nahtlos in die Pension gleiten, sondern sich flott um einen Folgejob umsehen würde. Dass er nun auf einen Gutteil seiner derzeitigen Gage verzichten will, zeigt, wie gestrichen voll er die Nase von seinem einstigen Traumjob hat. Bürgermeister Heinz Schaden, anfangs glühender Pereira-Fan, hat neuerlich bekräftigt, eine Doppelrolle käme nicht infrage. Nur: Die Festspiele sind keine Schraubenfabrik, fähige (Kultur-)Manager, zumal in schwierigen Zeiten, schütter gesät. Wer also exekutiert, wenn Pereira vorzeitig geht, sein Spar- und Kunstprogramm? (Andrea Schurian, DER STANDARD, 5.6.2013)

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