Chemiewaffenverdacht: Syrien im "freien Fall"

Kommentar4. Juni 2013, 18:23
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Die meisten Experten rechnen inzwischen mit einem Libanon-Szenario für Syrien

Es ist noch immer keine "smoking gun", die von den UN-Menschenrechtsermittlern ausgemacht wurde. Sie sprechen in ihrem Bericht von "hinreichenden Gründen", die den Verdacht auf einen Einsatz toxischer Chemikalien in mindestens vier Fällen in Syrien nahelegten. Über die genaue Beschaffenheit dieser Substanzen, die Umstände ihrer Einsätze und vor allem deren Urheber lasse sich in der gegebenen Beweislage allerdings nichts aussagen. Ob also das Assad-Regime mit einem Chemiewaffeneinsatz jene rote Linie überschritten hat, die US-Präsident Barack Obama gesetzt hat, bleibt weiterhin unklar.

Und mindestens so unklar ist es auch, was es denn ändern würde, wenn solche zwingenden Beweise tatsächlich gefunden werden könnten. Laut dem nun veröffentlichten Bericht befindet sich der Staat Syrien "im freien Fall"; unerhörte Brutalitäten - Chemiewaffen hin oder her - gehören inzwischen zum taktischen Repertoire der Kriegsparteien. Zu den inzwischen 80.000 Toten in dem Konflikt werden tausende weitere dazukommen, weil das Blutbad ohne internationale Einigkeit niemals ein Ende finden wird. Diplomatische Versuche - wie womöglich demnächst in Genf - sind gut gemeint, große militärische Interventionen unrealistisch. Die meisten Experten rechnen inzwischen für Syrien mit einem Libanon-Szenario: Der Konflikt werde Jahre dauern - so lange, bis die Parteien ausgeblutet und die internationalen Akteure sich endlich einig sind. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 5.6.2013)

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