Die Vermessung der Medienwelt

4. Juni 2013, 18:23
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EU-Projekt: Selbstkontrolle Frage "fairen Wettbewerbs"

Brüssel/Wien - Donnerstag erklärt Matthias Karmasin der EU-Kommission, wie die Union auf Europas Medien schauen kann. Der Wiener Kommunikationswissenschafter präsentiert mit Forschern aus elf Staaten, was sie über die Selbstreinigungskräfte der Branche herausfanden. Und welche Rolle die EU da spielen könnte.

Montagabend erklärt Karmasin im Kamingespräch mit der grünen Europaabgeordneten Eva Lichtenberger in Wien, in welche Richtung die Forscher denken. Und welche nicht. Verlegerverbände verwahrten sich vehement gegen europäische Aufsicht über die Medien und über ihre nationale Selbstkontrolle. Die hat eine EU-Beratergruppe vorgeschlagen.

"Ich verstehe nicht, warum sich jemand vor Transparenz fürchten kann", wundert sich Karmasin. Die drei Gewalten - Gesetzgebung, Verwaltung, Gerichtsbarkeit - unterzögen sich schließlich auch demokratischer Kontrolle. Die vierte, die Medien also, beanspruche schließlich auch Privilegien - Presseförderung, günstigere Steuersätze oder Posttarife, besonderer Schutz. "Wissenschaftliches Monitoring" müsse sich die Branche also gefallen lassen. Und: Wir nehmen keine politischen Bewertungen vor", beschwichtigt Karmasin.

Die Forschergruppe will der Kommission vorschlagen, drei Länderindizes zu einem zu kombinieren, der die Lage der Medien vermisst, nämlich jene über:

  • Medienausbildung
  • Medienvielfalt/Konzentration und
  • Media Accountability - also quasi Selbstreinigungskräfte der Branche. Der deutsche Kommunikationswissenschafter Stephan Ruß-Mohl, mit Karmasin in dem Forschungsprojekt, übersetzt das mit "Bereitschaft der Medien zur Rechenschaftslegung". Dazu zählen etwa Presseräte, Leser-Ombudsleute in Medienhäusern, Fehlerkorrektur.

Die Regeln sollen sich die Medien selbst geben, sagt Karmasin. Aber es könne eben nicht egal sein, wenn sich manche diesen Regeln und ihrer Kontrolle einfach entziehen. "Das ist unfairer Wettbewerb", argumentiert der Wiener Forscher mit einem Schlüsselreiz für EU-Behörden: Nicht um Eingriffe in Pressefreiheit oder Zensur gehe es da - "es geht um fairen Wettbewerb". (fid, DER STANDARD, 5.6.2013)

Hinweis:

In Österreich ist das Medienhaus Wien der Projektträger

Links:

  • NZZ: Medien am Pranger - Verlagsmanager und Journalisten tun sich schwer mit Kritik. So hartnäckig Medienleute von anderen Rechenschaft und Transparenz einfordern, so wenig scheren sie sich selbst darum
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