Alexander Pereira geht an die Mailänder Scala

4. Juni 2013, 21:53
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Der Intendant der Salzburger Festspiele wird Nachfolger von Stéphane Lissner

Mailand/Wien - Also nun doch eine Überraschung für Salzburg: Der Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, wird Nachfolger des Franzosen Stéphane Lissner an der Spitze der Mailänder Scala. Pereira wurde am Dienstag einstimmig vom Aufsichtsrat der Scala ernannt. Der Aufsichtsrat tagte unter der Leitung des Mailänder Bürgermeisters Giuliano Pisapia, der auch Präsident des Mailänder Opernhauses ist.

Pereira war schon im Vorfeld als Favorit gehandelt worden. Neben ihm hatten es noch der Intendant des Piccolo Teatro in Mailand, Sergio Escobar ­- übrigens einer seiner ersten Gratulanten - sowie der Intendant der Amsterdamer Oper, Pierre Audi, in die Endrunde geschafft. Als neuer Scala-Intendant wird sich Pereira nun mit einem um ein Drittel niedrigeren Gehalt als Lissner begnügen.

Für die Salzburger Festspiele entstehen jetzt etwas gröbere Probleme: Nun jedenfalls müsste Pereira, dessen Vertrag mit den Salzburger Festspielen eigentlich bis 2016 läuft, 2015 sein Amt in Mailand übernehmen. Dort galt er vor allem wegen seiner internationalen Erfahrungen als idealer Intendant. Seine Fähigkeit, internationale Sponsoren zu finden, braucht die Scala wegen starker Einschnitte bei den öffentlichen Kulturfinanzierungen: "Eine der Aufgaben der Stiftungen der Opernhäuser ist, Finanzierungen aufzutreiben", sagte Italiens neuer Kulturminister Massimo Bray.

Sehr viele Konflikte

Alexander Pereira, der nach Konflikten mit dem Kuratorium schon etliche Male mit Rücktritt gedroht hatte, gelobte nach der letzten Kuratoriumssitzung, bei der es um das Festspielbudget für 2014 ging, gewisse Summen einzusparen.

Auch meinte er nach der Sitzung freudig: "Ich bin froh, dass das ­Kuratorium und das Direktorium einen gemeinsamen Weg für die Zukunft der Salzburger Festspiele gefunden haben. Und ich bin Teil dieses Weges." Und auch die ­Präsidentin der Festspiele Helga Rabl-Stadler betonte, dass die kritische Sitzung "vertrauensbildend" gewesen sei. Das dürfte eine eher optimistische Einschätzung gewesen sein, und von einem gemeinsamen Weg von Kuratorium und Pereira wird jetzt schwer die Rede sein können.

Denn selbst wenn Pereira gedenkt, seinen Vertrag in Salzburg zu erfüllen, und dazu gedenkt, die Planungen für die Mailänder Scala zusätzlich zu schaffen, schloss Bürgermeister Heinz Schaden diese Doppelfunktion in einer ersten Stellungnahme dezidiert aus. Er spricht bereits von einer vorzeitigen Vertragsauflösung und davon, den Abschied zivilisiert zu gestalten: "Ich will ihm absolut keine Steine in den Weg legen, wir werden nicht wie die Wilden miteinander umgehen. Ich sehe auch kein Problem darin, dass er den Festspielsommer 2013 abwickelt. Da ist ohnehin alles auf Schiene. Außerdem gibt es eine Präsidentin, einen Schauspiel- und einen Konzert-Chef. Aber 2014 kann ich mir schwer vorstellen. Denn man darf nicht vergessen: Pereiras Arbeit für Mailand beginnt genau jetzt."

Dirigent Nikolaus Harnoncourt sieht in der Tatsache, dass Pereira in seiner ersten Scala-Saison noch bei den Salzburger Festspielen unter Vertrag stünde, kein Problem: "Bis jetzt", so der Stardirigent, "hat noch jeder Intendant in seinem letzten Jahr etwas anderes gemacht." In Salzburg sieht Harnoncourt, der unter Pereira zahlreiche Opernneuproduktionen in Zürich dirigiert hatte, "Maulwürfe am Werk", denen es nicht um die Qualität der Festspiele ginge: "Die haben ganz andere Pläne."

Eigentlich sollte dieser Tage ja eine neue Kuratoriumssitzung stattfinden, bei der das entschlackte Budget für 2014 beschlossen werden sollte. Es riecht also ein bisschen nach Chaos in Salzburg. Es wurden aber schon Ideen ventiliert für den Fall, dass Pereira Mailand geht. Dann würden dann Salzburgs Theaterchef Sven-Eric Bechtolf und Präsidentin Helga Rabl-Stadler die Festspiele interimistisch bis zur Ausschreibung des Postens leiten. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 5.6.2013)

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    Alexander Pereira geht nach Italien.

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