Internationaler Leder-Handel bedroht Warane

4. Juni 2013, 16:56
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Bunte Haut wird den Tieren zum Verhängnis - Forscher sorgen sich um Bestände von Insel-Spezies

Bonn - Warane stellen einige der größten Vertreter aus der Gruppe der Schuppenkriechtiere, die unter anderem auch Schlangen, Leguane und Geckos umfasst. Insgesamt 73 Waran-Arten gibt es, die in den Tropen und Subtropen leben. Und immer mehr davon sind in ihren Beständen bedroht, berichten Forscher im Open-Access-Journal "Herpetological Conservation and Biology".

In Südostasien werden Warane nach aktuellen Untersuchungen in großem Ausmaß kommerziell ausgebeutet. Zum einen werden sie für den "Haustier"-Bedarf gefangen, zum anderen aber auch wegen ihrer Häute getötet. Dies geschehe oft illegal, berichtete das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig. Deutschland spiele dabei eine zentrale Rolle im internationalen Handel mit lebenden Reptilien.

Bedrohungsfaktoren

Ein Team deutscher und indonesischer Wissenschafter habe erstmals die Bedrohungssituation aller Warane aus Südostasien analysiert, berichtete das Forschungsmuseum. Demnach ist neben dem großen Bedarf für den Heimtiermarkt der internationale Reptillederhandel eine enorme Bedrohung für einige Arten. Vor allem farbenreiche Exemplare seien begehrt. Allein von Indonesien werden den Angaben zufolge jährlich etwa 450.000 Häute des Bindenwarans (Varanus salvator) legal exportiert, um daraus Handtaschen oder Armbanduhrenbänder herzustellen. Der Handel ist geregelt, wird den Forschern zufolge aber nicht ausreichend überwacht.

Andere Faktoren spielen zahlenmäßig eine geringere Rolle, komplettieren aber das Bedrohungsszenario: Die Echsen sind als Hühnerdiebe verschrien und werden oft getötet, wenn sie in der Nähe menschlicher Siedlungen angetroffen werden. Unzählige Warane werden zudem Opfer des zunehmenden Verkehrsaufkommens. Und in manchen Regionen werden Warane auch gegessen. 

Verborgene Naturschätze

Sorgen bereitet den Forschern vor allem die Artenvielfalt - insbesondere wenn es um Spezies geht, die nur auf einigen Inseln vorkommen. Denn noch ist gar nicht bekannt, wie viele verschiedene Waran-Arten es gibt, immer noch werden bislang unbekannte Spezies entdeckt, die nur in kleinen und daher fragilen Populationen existieren.

So konnten die Bonner Forscher 2010 gleich drei neue Warane von den Philippinen wissenschaftlich beschreiben. "Dieses sind nur die letzten spektakulären Neuentdeckungen von großwüchsigen Waranen aus Asien", sagt der Herpetologe Wolfgang Böhme. "Seit den 1990er Jahren konnten wir über ein Dutzend neue Waranarten aus Südostasien beschreiben. Darunter waren so auffällige Arten wie der gelbe Quittenwaran von den Molukken oder der strahlend blaue Baumwaran von Neuguinea." (APA/red, derStandard.at, 4. 6. 2013)

  • Hunderttausende Warane werden jährlich alleine in Indonesien ihrer Häute wegen getötet. Darunter die Überreste toter Baumwarane:
    foto: mark auliya (ufz)

    Hunderttausende Warane werden jährlich alleine in Indonesien ihrer Häute wegen getötet. Darunter die Überreste toter Baumwarane:

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    foto: mark auliya (ufz)
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