Herzinsuffizienz soll ihren Schrecken verlieren

4. Juni 2013, 16:29
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Eine genauere Unterscheidung verschiedener Formen der Krankheit und maßgeschneiderte Therapien sollen bald deutliche Fortschritte bringen

Die chronische Herzinsuffizienz, die bei den Patienten zumeist fortschreitende Abnahme der Pumpleistung des Organs, soll ihren Schrecken verlieren.

Derzeit noch mit einer etwa so hohen Mortalität verbunden wie die gefährlichsten Krebserkrankungen, sollen eine genauere Unterscheidung verschiedener Formen der Krankheit und maßgeschneiderte Therapien bald deutliche Fortschritte bringen. Dies erklärten am Dienstag in Wien Experten anlässlich der in den kommenden Tagen in Salzburg stattfindenden Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG).

Eine der häufigsten Todesursachen

"Die Herzinsuffizienz ist ein Riesenproblem für unsere Gesellschaft. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen und eine der häufigsten Todesursachen. Eine Studie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC; Anm.) spricht von in Europa 28 Millionen betroffenen Menschen. In Österreich wird ihre Zahl auf rund 300.000 geschätzt, wobei mir diese Zahl zu niedrig erscheint", sagte Gerald Maurer, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin II (Kardiologie) der MedUni Wien am AKH.

Die Krankheit entsteht zumeist entweder auf der Basis eines erlittenen Infarktes, in dessen Folge das Organ durch den Muskelschaden in eine Pumpschwäche hinein rutscht. Das ist vor allem bei der systolischen Herzinsuffizienz der Fall. Eine altersbedingte "Versteifung" des Muskels kann eine zweite Hauptform, die diastolische Herzinsuffizienz, verursachen. Letzteres trifft eher Frauen, die systolische Herzschwäche eher die Männer. In der Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen leidet ein Prozent der Menschen an der Erkrankung, bei den 80-Jährigen sind es schon zehn Prozent.

Deutliche Fortschritte in der Behandlung der Krankheit

Die Medizin hat gerade in jüngerer Vergangenheit deutliche Fortschritte in der Behandlung der Krankheit gemacht. Der breite Einsatz von Medikamenten wie Beta-Blockern, ACE-Hemmern und Diuretika - in Kombination und ausreichender Dosierung - hat die Lebenserwartung der Betroffenen erhöht.

Doch die Zukunft soll sowohl verbesserte Diagnosemöglichkeiten, eine stärkere Differenzierung der einzelnen Krankheitsformen und eine daraus abgeleitete personalisierte Therapie bringen. Bernhard Metzler, von der kardiologischen Abteilung der Innsbrucker Universitätsklinik: "Eine Untersuchung auf die Copeptin-Konzentration im Blut erlaubt vielleicht beispielsweise die Vorhersage, wie groß ein Herzinfarkt ist und wie sehr sich das Herz wieder erholen wird."

Neue Erkenntnisse gibt es auch zur Beteiligung von Mikro-RNA, also von kleinen, die Gen-Aktivierung kontrollierenden Erbgut-Stücken. "Über die Aktivierung der Mikro-RNA kann sich das betroffene Areal im Herzmuskel stabilisieren, teilweise können dadurch auch neue Herzmuskelzellen entstehen", so der Experte.

Verbindung zwischen Diabetes und Herzinsuffizienz

Auch über die Verbindung zwischen Diabetes und Herzinsuffizienz - nur einer von sechs Patienten mit dem Herzleiden weist normalen Blutzuckerspiegel auf - gibt es neue Erkenntnisse. So sollte beispielsweise die Verwendung von oralen Antidiabetika wie Sulfonylharnstoffen und Glitazonen bei Herzschwäche-Betroffenen nur unter strenger Risiko/Nutzen-Abwägung erfolgen, weil sie das Herzproblem noch verstärken können. Katheterbehandlungen, die gleichzeitig auftretende Arrhythmien beseitigen, helfen manchen Patienten ebenfalls.

In schweren Fällen können mittlerweile auch miniaturisierte Blutpumpen, zum Teil auch nur vorübergehend und per Katheter implantiert, eingesetzt werden, um das Herz bei akuter Gefährdung bis zur Erholung zu entlasten. Nicht-medikamentös ist auch die Stimulation des Vagus-Nervs an der Halsschlagader, um die bei einer Herzinsuffizienz auftretende Überreizung des Organs zu ständiger Höchstleistung zu dämpfen. (APA/red, 4.6.2013)

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    Die Zahl der herzinsuffizienten Patienten wächst stetig, gerade in jüngerer Vergangenheit gibt es deutliche Fortschritte in der Behandlung der Erkrankung.

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