"The Evil Within" angeschaut: Kann uns Horror noch überraschen?

19. Juni 2013, 09:55
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Neues Spiel vom Resident Evil-Macher soll alte Erfolge wiederholen, Inhalte werden über das Gelingen entscheiden

Grausliche Figuren, wenig Munition, enge Gänge, übernatürliche Mächte, beklemmende Psycho-Stimmung und Schockmomente hinter jeder Tür. Gamer sind seit den Anfängen der Horror-Survival-Spielen vor über 20 Jahren von seinen Vertretern so einiges gewohnt. Von Shinji Mikani, dem Vater eines der prominentesten Genre-Vertreters ("Resident Evil") kommt mit "The Evil Within" nun ein neuer Anlauf mit frischer Marke. Bei einer Präsentation in London konnte derStandard.at sich einige Spielszenen aus dem von Bethesda vertriebenen Spiel ansehen.

Wenn man bei strömendem Regen in Gestalt eines aus 3rd-Person-Perspektive gesteuerten Polizisten zu einem mysteriösen Einsatz in einer Nervenheilanstalt gerufen wird, ahnen erfahrene Spieler, dass das nicht viel Gutes verheißt. Kaum entflieht Detective Sebastian Castellanos dem strömenden Regen und betritt das gruselige Gebäude, stößt er auch schon auf eine Menge Blut und Leichen und wird bewusstlos geschlagen.

Noch Arbeit bei Glaubwürdigkeit zu tun

Castellanos wacht kopfüber hängend in einer menschlichen Schlachtkammer auf, wo ein Kettensägen-schwingender Fleischberg andere von der Decke hängenden Körper filetiert. Kein Seufzer entgleitet dem offensichtlich hartgesottenen Cop, ehe er sich an eine Leiche heranschaukelt und sich mit dem in ihr steckenden Messer befreit. Kaum ist das geschafft, verfolgt ihn der Schlächter spektakulär durch enge Räume und Gänge. Castellanos wird bei der herrlich schockierenden Jagd (die durch künstliche Einschränkungen im Blickfeld umso mehr Spannung gewinnt) dabei skriptgetreu verletzt und kann sich fortan nur noch humpelnd fortbewegen. Als er Minuten später doch entkommt, kann er plötzlich auch wieder ganz normal laufen.

Die emotionslose Reaktion auf die ungewöhnlichen Umstände und der plötzliche Gesundheitswandel sind zwei Fragen an die Glaubwürdigkeit der Spielwelt und des Charakters, die schon binnen der Einleitung Zweifel ob der erzählerischen Klasse von "The Evil Within" aufkommen ließen. Sofort kam der Wunsch nach mehr  Subtilität auf, die beim Design des enorm reduzierten grafischen Interfaces und des "cineastischen" Gesamtlooks offensichtlich eine große Rolle gespielt hat.

Stimmungsvolles Leveldesign

Blutverschmierte Kammern wechseln sich mit etwas heruntergekommenen Büroräumlichkeiten und Patientenzimmern der psychiatrischen Anstalt ab. Detailverliebtes Leveldesign in der id Tech 5-Engine sorgt für eine stimmige und stimmungsvolle Umgebung. Immer wieder kommt der Spieler auch an die frische Luft - wovon allerdings in London nur wenig zu sehen war. Bis zum geplanten Release irgendwann 2014 bleibt immerhin noch etwas Zeit, um auch an der inhaltlichen Inszenierung zu feilen.

Bei der Präsentation wurde im streng linearen Spiel ein abwechslungsreicher Mix versprochen. Einerseits wird es hektische, oft stark gescriptete Kämpfe geben, in denen tunlichst Munition gespart werden sollte und das Zielen anscheinend bewusst erschwert wird. Diese Abschnitte sollen mit etwas freieren "Survival-lastigen" Gegenden alternieren, in denen man sich mehr oder weniger auf kommende Panik vorbereitet und besagte Munition sucht und sammelt.

Dazu kommen plötzliche Tempoänderungen durch vorgegebene Wechsel zwischen verschiedenen Dimensionen. Was die erzählerisch bedeuten, war vorerst noch nicht zu erfahren - vermutlich bricht der böse Wahnsinn aber zunehmend über Hauptfigur Castellanos herein. Ein solcher Dimensionensprung wurde den anwesenden Journalisten gezeigt und warf erst Recht die Frage auf: Was haben Horror-Fans außer möglichst drastischen und blutigen Bildern denn noch Neues zu erwarten? Unmittelbar nach einem Kampf (mit anscheinend bewusst ungenauem Zielsystem) bog Castellanos in einen langen, hellen Gang ein, als ihm plötzlich eine Flutwelle aus Blut entgegen schwappt. Ein 33 Jahre alter Film lässt grüßen.

Ersteindruck

The Evil Within glänzte bei der Präsentation mit herausragender Optik, reduziertem Interface und sehr detaillierten Leveldesign. Die spielerische und erzählerische Seite wird aber das entscheidende Element sein. Zahlreiche Fragen blieben dabei offen: Insbesondere war zu wenig wirklich neuartiger Inhalt zu sehen, um einen nächsten Meilenstein im doch schon ziemlich ausgetrampelten Survival-Horror-Genre vermuten zu dürfen. Eine Best-of-Horror-Auswahl an bereits erlebten Szenen genügt dazu sicherlich nicht. Zwischen manch gelungene Situation (wie der beschriebenen Kettensägenflucht) zwängte sich doch immer wider so manches penetrantes Déjà Vu. Auch ob die künstliche Limitierung der Steuerung in der Praxis mehr Frust als Panik aufkommen lässt, wird sich wohl erst beim ausführlichen Anspielen zeigen. Die Bandbreite der Möglichkeiten für das spätere Urteil über "The Evil Within" auf PC, PS3, Xbox 360 und Nextgen-Konsolen ist noch ziemlich großzügig bemessen. (Tom Schaffer, derStandard.at, 19.6.2013)

(Video: The Evil Within - Teaser Trailer)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien:

Die Anreise zum Preview-Event von "The Evil Within" wurde vom Hersteller bezahlt.

  • "The Evil Within" führt Detective Sebastian Castellanos in eine psychatrische Klinik der besessenen Art
    screenshots: bethesda

    "The Evil Within" führt Detective Sebastian Castellanos in eine psychatrische Klinik der besessenen Art

  • Es gibt keinen Knopf mit dem sich Spieler schnell umdrehen können, weshalb das Geschehen im Rücken des Protagonisten meist für Nervenkitzel sorgt.
    screenshots: bethesda

    Es gibt keinen Knopf mit dem sich Spieler schnell umdrehen können, weshalb das Geschehen im Rücken des Protagonisten meist für Nervenkitzel sorgt.

  • Man wird Blut zu sehen bekommen. Ob das Spiel das Genre erzählerisch weiterbringen kann, bleibt aber abzuwarten.
    screenshots: bethesda

    Man wird Blut zu sehen bekommen. Ob das Spiel das Genre erzählerisch weiterbringen kann, bleibt aber abzuwarten.

  • Bei der Präsentation in London gefiel vor allem das durchgestylte, düstere Look-and-Feel des Programms.
    screenshots: bethesda

    Bei der Präsentation in London gefiel vor allem das durchgestylte, düstere Look-and-Feel des Programms.

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