Falsche Signalkette in Zellen löst Gallengangskrebs aus

4. Juni 2013, 11:37
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Tübinger Wissenschafter konnten die Ursache von seltenen Tumoren klären

Das Gallengangskarzinom ist ein bösartiger Tumor, der sehr selten auftritt, dessen Erkrankungsrate in den vergangenen Jahren jedoch weltweit deutlich zugenommen hat. Die Ursachen dafür sind weitgehend unbekannt. Tübinger Wissenschafter um den ärztlichen Leiter der Medizinischen Universitätsklinik in der deutschen Stadt, Nisar Malek, konnten jetzt bei Mäusen zeigen, dass der Anstoß einer bestimmten Signalkette innerhalb der Leber die Entstehung dieser Tumoren auslösen kann.

Erkenntnisse sind auf Menschen übertragbar

Die in den Leberstammzellen - dem Ausgangspunkt des Tumors - aktivierte Signalkette dient bei der embryonalen Entwicklung der Ausbildung der Gallengänge und ist im Erwachsenenleben inaktiv. Die Erkenntnisse sind übertragbar: Produkte der aktivierten Signalkette konnten im Mausmodell ebenso wie in menschlichen Tumorgewebeproben nachgewiesen werden.

In den Forschungslabors ist es im Anschluss gelungen, auf Mäuse transplantiertes menschliches Gallengangstumorgewebe durch die Unterdrückung des Signalwegs zurückzubilden. "Wir werden diese Ergebnisse so rasch als möglich in wissenschaftlichen Studien auf ihre klinische Anwendung bei Patienten testen. Wir sehen hier die Möglichkeit einer neuen Behandlungsstrategie für diese besonders seltene und häufig unheilbare Krebserkrankung", kommentierte Malek die neuen Erkenntnisse.

Krebsherde häufig spät entdeckt

Gallengangskarzinome bilden sich in der Leber. Ein erhöhtes Risiko haben Patienten, die an Darm-, Leber- oder Gallenwegserkrankungen leiden, Gallensteine oder Gallengangsentzündungen haben. Da die Erkrankten oft lange keine Symptome zeigen, werden die Krebsherde häufig erst dann entdeckt, wenn sich die Patienten bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung befinden, beispielsweise bei einer Routine-Ultraschall- oder Kernspin-Untersuchung. Eine endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie und eine Gewebeprobe gestellt.

Die operative Entfernung des gesamten Tumors ist bis heute die einzige Möglichkeit für eine Behandlung mit Heilungsaussicht. Die wenigsten Patienten können jedoch zum Zeitpunkt der Diagnose noch mit Erfolg operiert werden, auch mit einer Chemotherapie lässt sich der Tumor nicht dauerhaft beherrschen.

Ärzte und Wissenschafter des Universitätsklinikums Tübingen erhoffen sich von den vorliegenden Forschungsergebnissen ein verbessertes Verständnis dieser schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Erkrankung. Die Blockierung der Signalkette in den Leberstammzellen ist durch einen Inhibitor möglich, der bereits in klinischen Studien bei anderen Tumorerkrankungen erprobt wird. (APA/red, 4.6.2013)

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