In der Faculty liegt die Zukunft

Blog4. Juni 2013, 11:47
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Warum das bestehende Kuriensystem überholt ist

Faculty ist ein Sammelbegriff für alle Lehrenden an einer Universität, für die österreichische Universitätslandschaft ist Faculty darüber hinaus ein Programm. Dies deshalb, weil damit zum Ausdruck gebracht und in der Praxis umgesetzt werden soll, dass es nur eine Gruppe von in Lehre und Forschung Tätigen an einer Universität geben soll. Davon sind die Universitäten gegenwärtig weit entfernt. Vielmehr stellt sich die personelle Zusammensetzung einer Universität als Sammlung verschiedener sogenannter Kurien dar. 

Kurieneinteilung überwinden?

Es gibt aber eine starke Strömung unter den UniversitätslehrerInnen, diese Kurieneinteilung zugunsten von Faculty zu überwinden. Und diese Strömung hat zwar Gegner, aber auch Befürworter, wie sich zum Beispiel am Regierungsübereinkommen der amtierenden Bundesregierung zeigt, welches eine einheitliche Gruppe von UniversitätslehrerInnen vorsieht.

Das reformatorische Potenzial von Faculty als zukunftsweisendem Konzept der Personalstruktur einer Universität wird am besten dadurch vermittelbar, dass die gegenwärtigen Unterscheidungen deutlich gemacht werden. Die beiden Kurien des wissenschaftlichen Universitätspersonals umfassen heute die (durch Berufungsverfahren ausgewählten) UniversitätsprofessorInnen und den sogenannten "Mittelbau", also wissenschaftliche MitarbeiterInnen in Forschung und Lehre. Des Weiteren gibt es die Kurie der Studierenden und die Kurie des allgemeinen Universitätspersonals, also der nicht wissenschaftlich Tätigen.

Unterschiedliche Rechte und Pflichten

Die beiden Kurien des wissenschaftlichen Universitätspersonals unterscheiden sich ganz erheblich in ihren Rechten und Pflichten. Während es natürlich unbestritten sein muss, dass bestimmte Rechte und Pflichten von der Qualifikation abhängig sein müssen, gilt das doch nicht ganz allgemein. Vielmehr laufen die Kurien zu einem erheblichen Maß auf ein Kastenwesen hinaus, das nicht nur diskriminierend sein kann (und leider verbreitet auch ist), sondern demotivierend und manchmal auch demütigend wirkt und damit einem konstruktiven, kooperativen inneruniversitären Klima diametral entgegengesetzt ist.

So können in der gegenwärtigen internen Struktur einer Universität Angehörige des "Mittelbaus" auch dann bestimmte Aufgaben nicht übernehmen, wenn sie dafür bestens geeignet sind und sich die erforderliche Kompetenz angeeignet haben. Das ist symptomatisch dafür, dass Potenziale in Lehre, Forschung, Erschließung der Künste und insbesondere im Wissenschaftsmanagement nicht genutzt werden können. Gleichzeitig mit solchen Hemmnissen werden motivationale Blockaden geschaffen.

Weniger Privilegien und Rechte

Entgegen den Befürchtungen von Gegnern einer Faculty verschwindet mit ihrer Implementierung auch der Wettbewerbsdruck nicht, wohl aber verschwinden damit institutionalisierte Privilegien und Anrechte. In demselben Maß erhoffen sich die Befürworter, dass Fairness Raum gewinnt.

Es ist selbstverständlich nicht so, dass automatisch alle im Lehr- und Forschungsbereich tätigen Personen zur Faculty zählen (würden), weil es an einer Universität immer auch solche Beschäftigte geben wird (müssen), die nur zeitweilig und nur in einem bestimmten Zeitraum dort tätig sind - und dies auch so wollen. Also wird die Zugehörigkeit zur Faculty von der Dauer(haftigkeit) der Beschäftigungsverhältnisse abhängig gemacht werden.

Damit verbindet sich Faculty dann aber mit einem weiteren wichtigen Aspekt einer modernen Universität, nämlich der Eröffnung und Pflege von sogenannten "Tenure Tracks", längerfristigen Beschäftigungsverhältnissen, die einen Aufstieg innerhalb der Faculty zum Zweck haben und möglich machen. Dies selbstverständlich nicht durch "Ersitzen", sondern unter ständiger Beobachtung und Prüfung der Bewährung.

Internationale Beispiele

Ein Beispiel für die Praktikabilität des Faculty-Konzepts bieten die amerikanischen Universitäten, gerade auch die Elite-Universitäten wie jene der Ivy-League, an denen Faculty längst die Norm ist.

Weite Kreise der österreichischen Universitätsangehörigen, aber auch der UniversitätslehrerInnenverband sehen das bestehende Kuriensystem als überholt an und in der Faculty die Zukunft, weil sie mehr Chancengleichheit, bessere Motivation und stärkere Teamorientierung eröffnet. (Wolfgang Weigel, derStandard.at, 4.6.2013)

Wolfgang Weigel ist ao. Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien, Vorsitzender des Joseph von Sonnenfels Center für ökonomische Analyse des öffentlichen Rechts und Gründungsmitglied sowie Mitglied des Beirats der European Association of Law and Economics. Er ist Mitglied des Universitätslehrerverbands (ULV), Sekretär des ULV an der Universität Wien und Pressereferent im Vorstand des ULV sowie ehemals langjähriger Vorsitzender der Personalvertretung an der Universität Wien.

  • "In der Faculty liegt die Zukunft, weil sie mehr Chancengleichheit, bessere Motivation und stärkere Teamorientierung eröffnet."

    "In der Faculty liegt die Zukunft, weil sie mehr Chancengleichheit, bessere Motivation und stärkere Teamorientierung eröffnet."

  • Wolfgang Weigel ist Professor für Volkswirtschaftslehre.
    foto: privat

    Wolfgang Weigel ist Professor für Volkswirtschaftslehre.

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