IWF traut Deutschland kaum Wachstum zu

4. Juni 2013, 07:44
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Trotz eigener Wirtschaftskraft bleibt Deutschland von den aktuellen Schwierigkeiten im Euroraum nicht verschont

Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat für 2013 seine Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,3 Prozent nach unten korrigiert. Der IWF führte den Rückgang vor allem auf die Schwierigkeiten im Euroraum und die fortschreitende Rezession in der Region zurück. Dies wirke sich auch negativ auf das Exportland Deutschland aus, machte der IWF nach Gesprächen in Berlin deutlich. Zum Ende des Jahres werde allerdings ein spürbarer Rückgang der Schwierigkeiten im Euroraum erwartet.

Optimismus zu Jahresauftakt

Der Währungsfonds war im Jänner noch von einem deutschen Wachstum von 0,6 Prozent ausgegangen. Zuvor hatte schon die deutsche Bundesregierung ihre Prognose von 0,7 Prozent auf 0,5 Prozent zurückgefahren. 2014 rechnet die Bundesregierung dann wieder mit einem Wachstum deutlich über einem Prozent.

Nach nur geringem Wachstum im ersten Quartal von 0,1 Prozent reduzierten auch andere Organisationen und Verbände ihre Prognose für 2013: Die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) etwa von 0,4 auf 0,2 Prozent oder der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) von 0,7 auf ebenfalls 0,3 Prozent.

Allerdings sieht der IWF auch Risiken für die deutsche Wirtschaft, sollte sich der Euroraum nicht wie erwartet erholen. So könnte eine dauerhaft lahmende Konjunktur letztlich auch den Arbeitsmarkt in Mitleidenschaft ziehen. Der Währungsfonds lobte, Deutschland sei auf einem guten Weg bei der Schuldenbremse und halte auch die Vorgaben des Europäischen Fiskalpaktes ein. Allerdings sollte es mit seinen Konsolidierungsanstrengungen nicht überziehen angesichts des schwächelnden Wachstums.

Stabilitätsanker in Europa

Grundsätzlich würdigte der IWF die Rolle Deutschlands als Stabilitätsanker in Europa. Damit biete das Land einen gewissen Schutz für die gesamte Region gegen negative Einflüsse von außen. Um mehr Wachstum zu generieren, sei es angesichts der alternden Gesellschaft unter anderem nötig, gut ausgebildete ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland zu holen. Zudem sollten die Steuerlasten für niedrige Einkommen gesenkt und die Kinderbetreuung ausgebaut werden.

Eine europaweite Integrationspolitik würde die Wirtschaft ebenso stärken wie eine Harmonisierung des Energienetzes oder der Verkehrsinfrastruktur, erläuterte der IWF, ohne genauere Angaben zu machen. Ebenso seien Reformen im Dienstleistungssektor nötig. (APA, 4.6.2013)

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    Die Konjunktur ist ein blasses Pflänzchen: Der IWF halbiert Wachstumsprognose für Deutschland.

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