Flutwelle erreicht Slowakei und Ungarn

4. Juni 2013, 18:47
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Während sich im Süden Deutschlands die Lage entspannt, spitzt sie sich im Norden und Osten weiter zu: In Sachsen bereitet sich die Bevölkerung auf eine Überflutung der Elbe vor, in Ungarn hat Premier Orbán den Notstand ausgerufen

Auch der Süden und der Osten Deutschlands kämpfen weiterhin gegen die Wassermassen. Viele Menschen in Südbayern konnten wieder in ihre Wohnungen zurückkehren und haben mit den Aufräumungsarbeiten begonnen. Die Autobahn München-Salzburg (A8) blieb auch am Dienstag im Bereich Chiemsee wegen Überflutung unpassierbar.

Während sich die Lage in Passau leicht entspannte, steht vielen ostdeutschen Städten entlang der Elbe das Schlimmste noch bevor. In Dresden wurde am Dienstag in Pegel von 7,37 Metern gemessen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besuchte am Dienstag drei vom Hochwasser extrem betroffene Städte: Passau (Bayern), Pirna (Sachsen) und Greiz (Thüringen). Sie sagte Soforthilfe des Bundes in Höhe von 100 Millionen Euro zu, die betroffenen Bundesländer werden die gleiche Summe bereitstellen. "Das ist gut ausgegebenes Geld", betonte Merkel.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) rechnet mit Schäden von mehr als 100 Millionen Euro allein an Straßen und Schienen. Jeder Kilometer Autobahn koste fünf Millionen Euro.

Orbán ruft Notstand aus

In Ungarn rief Ministerpräsident Viktor Orbán am Dienstag den Katastrophen-Notstand für Teile des Landes aus. Die Scheitelwelle des Donau-Hochwassers dürfte zwar erst am Mittwoch die westliche Landesgrenze und am Wochenende Budapest erreichen, doch wollen die Behörden rechtzeitig gerüstet sein.

8000 Armeesoldaten, ebenso viele Mitarbeiter des Katastrophenschutzes, 3600 Polizeibeamte und 1400 Experten der Wasserwirtschaft könnten mobilisiert werden, sagte Orbán bei einem Besuch des Katastrophenschutz- Zentrums, das eigens für die drohende Notlage im Innenministerium eingerichtet wurde.

Die Maßnahmen der Behörden werden diesmal besonders kritisch beäugt: Im März hatten ungewöhnlich heftige Schneefälle in ganz Westungarn ein Verkehrschaos verursacht, bei dem der Katastrophenschutz schlicht versagt hatte. Tausende Autofahrer hatten bis zu 36 Stunden auf der Autobahn zwischen Buda- pest und der österreichischen Grenze in ihren Fahrzeugen festgesessen.

Diesmal hat der Katastrophenschutz, der mit Orbáns Amtsantritt 2010 einer starken Zentralisierung unterworfen wurde, mehr Zeit zur Vorbereitung. Zudem ist das Hochwasser - auch wenn diesmal historische Rekord-Pegelstände erwartet werden - eine Standardsituation, die in Ungarn immer wieder eintritt und für die es eingefahrene Methoden gibt. In Donau-Städten wie Esztergom und Szentendre bereitet man bereits die Aufstellung von mobilen Wasserschutzdämmen vor.

Bratislava bereitet sich vor

Die Slowakei bereitet sich fieberhaft auf die Donau-Flutwelle aus Österreich vor, die höher als befürchtet sein könnte und am Donnerstag eintreffen soll. In Bratislava ist man zuversichtlich und glaubt, selbst für ein tausendjährliches Hochwasser gewappnet zu sein. Das neue Hochwasser-Schutzsystem, dass 2011 für 32 Millionen Euro angeschafft wurde und einem Durchfluss von 13.500 Kubikmeter pro Sekunden standhalten sollte, wird allerdings erst beim Eintreffen der Scheitelwelle seinen Bewährungstest bestehen müssen. (bau, gma, red, DER STANDARD, 5.6.2013)

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    Ganz Mitteleuropa im Bann des Wassers.

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    Die Elbe trat an vielen Stellen - wie hier in Ústí nad Labem, 90 Kilometer von Prag entfernt - über die Ufer. In Deutschland, Tschechien, Slowakei und Ungarn wird der Hochwasserschutz verstärkt.

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    Bundeswehrsoldaten fahren Dienstagfrüh mit einem Boot durch die überflutete Altstadt von Passau.

  • Die Elbe steigt und steigt. In Dresden (o.) lag der Pegel Dienstagfrüh bei 7,29 Metern, in Meißen wurde die Altstadt überflutet.
    foto: epa/burgi

    Die Elbe steigt und steigt. In Dresden (o.) lag der Pegel Dienstagfrüh bei 7,29 Metern, in Meißen wurde die Altstadt überflutet.

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